Mittwoch, 14. November 2018

Porträt des neuen Nestlé-Chefs Ulf Mark Schneider Wer ist Ulf Schneider? Der beste deutsche Manager seiner Generation

Ulf M. Schneider: Ein Wunderkind wird Erwachsen
Markus Hintzen für manager magazin

Ulf Mark Schneider ist der beste Konzernlenker seiner Generation und gleichzeitig auch der unbekannteste. Wer also ist der Mann? Eine Nahaufnahme.

Das folgende Porträt veröffentlichten wir in der Dezember-Ausgabe des Jahres 2013 des manager magazins anlässlich der Wahl Ulf Schneiders zum "Manager des Jahres". Aufgrund Schneiders Wechsel zu Nestlé veröffentlichen wir es jetzt erstmals auf manager-magazin.de. Damit Sie künftig besser früher als spät über alles wirklich Relevante in der Wirtschaft informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Was unterscheidet einen guten Manager, Wissenschaftler oder Politiker von einem außergewöhnlichen? Talent? Wille? Oder ist da noch etwas? Ulf Markus Schneider ist 15 Jahre alt, als sein Vater an einem Samstagnachmittag in sein Jugendzimmer im rheinland-pfälzischen Neuwied kommt. Ulf hat die Chance, die zehnte Klasse des Gymnasiums zu überspringen. Doch er zögert, bis der Vater sagt: "Warum willst du zwölf Monate länger in der Schule sein, wenn du die Zeit sparen und irgendwo in der Welt etwas machen kannst, das dich wirklich interessiert?" Ulf springt. Die Klassenkameraden sind plötzlich nicht mehr so wichtig.

Schneider ist 28 Jahre alt, hat eine Promotion in St. Gallen und ein Executive-Studium in Harvard hinter sich, da soll er für seinen Arbeitgeber Haniel einen kleinen Bauzulieferer in Ostdeutschland sanieren. Sein Chef will, dass er sich Unterstützung von Beratern wie McKinsey oder Boston Consulting holt. Schneider, der Novize, widerspricht: "Nein, das mache ich lieber selbst." Im September 2013 übernimmt er, mittlerweile 48 und Vorstandschef der Fresenius SE, nach langem und zwischendurch fast aussichtslos erscheinendem Kampf den Großteil der Krankenhäuser der im M-Dax notierten Klinikkette Rhön. Statt der kompletten Firma, wie zunächst geplant, kauft er einfach die wichtigsten Krankenhäuser. Es ist ein trickreicher Deal, und eine Konstruktion, die Schneiders Gegner nicht auf dem Zettel hatten.

Extrem schnell, ausgesprochen selbstbewusst, ziemlich hartnäckig und kreativ, das ist Ulf M. (für Mark, wie er sich rufen lässt) Schneider. Mit einer ganzen Reihe milliardenschwerer Übernahmen schraubte er in den zehn Jahren als Vorstandschef den Umsatz um den Faktor 2,7 auf 19,3 Milliarden Euro und vervierfachte den Gewinn auf zuletzt 3,1 Milliarden Euro (siehe Grafik "Blitzsaubere Bilanz") .

Ein Manager, kein Berater

Fresenius ist der weltgrößte Dialysespezialist und der größte private Krankenhausbetreiber in Deutschland. Vieles davon ist Schneiders Werk. Lange galt er nur als Managementwunderkind. Seit er den Kampf um die Rhön-Kliniken gewonnen hat, ist er ein Stück weiter. "Dieser Deal ist sein Meisterstück und gleichzeitig der Beleg, wie konsistent und nachhaltig er seine Strategie umsetzt", sagt Beraterlegende Roland Berger, der den Fresenius-Mann zusammen mit fünf anderen namhaften Mitgliedern einer Jury des manager magazins zum Manager des Jahres 2013 wählte (siehe Kasten "Preisrichter") .

  • Copyright: Christian O. Bruch
    Christian O. Bruch
    Dietmar Palan, Diplom-Kaufmann. Volontariat bei der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Redakteur bei der Wirtschaftswoche und Focus. Seit 1999 als Finanzkorrespondent, geschäftsführender Redakteur und Reporter bei manager magazin.
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Damit ist Schneider auch in dieser Kategorie der Jüngste - kein anderer CEO hat von mm diese Auszeichnung erhalten, bevor er 50 war. Die Wahl fiel auf den besten Manager seiner Generation - gleichzeitig auch auf den wohl unbekanntesten unter den großen Konzernführern der Republik. Wer also verbirgt sich hinter dem Namen Ulf M. Schneider? Die erste Bestandsaufnahme fällt unspektakulär aus: ein schlanker, knapp 1,90 Meter großer Mann mit hoher Stirn und blassem Teint; das Jackett legt er gleich ab, als den Raum betritt; der Hosenbund sitzt weit oben über dem sauber gebügelten Hemd. Die Augen, bernsteinfarben und hinter den Brillengläsern unterschiedlich groß wirkend, schauen interessiert, nicht scharf. Wenn Schneider spricht, dann eher leise, nur selten schimmert der Dialekt seiner Heimat durch: wie Altkanzler Helmut Kohl spricht er das "sch" in Geschichte wie "ch" aus. Viel mehr bleibt auf den ersten Blick nicht haften, allenfalls der Gedanke, dass die Harvard Business School Hunderte seines Typus ausspuckt.

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