Freitag, 19. Oktober 2018

Fahrtenvermittler fahndet nach Geschäftsmodell Uber stellt Fahrern 12.000 Euro pro Monat in Aussicht

Investoren-Liebling: Der umstrittene US-Fahrdienst Uber will die Taxi-Branche angreifen. In Deutschland muss das Unternehmen neue Wege finden, um das Geschäft weiter betreiben zu können

Kein Jungunternehmen aus dem Silicon Valley verheißt derzeit so viel wie Uber - und bleibt Mysterium zugleich. Der Chauffeurs-App-Dienstleister wird von seinen Geldgebern bereits auf einen Wert von 50 Milliarden US-Dollar taxiert, im Quartalstakt gewinnt Uber-Chef Travis Kalanick (38) neue Investoren und frische Milliarden für die weitere Expansion hinzu.

Doch weltweite Verbote, Gerichtsverfahren und Anti-Uber-Proteste schaffen es mit gleicher Regelmäßigkeit in die Schlagzeilen. Zuletzt wurden französische Uber-Manager sogar verhaftet. Ist Uber nun Kandidat für den nächsten Milliarden-Börsengang oder ein mit billigem Geld aufgeblasener Scheinriese?

In Deutschland zumindest scheint letzteres der Fall zu sein. Uber fahndet in Europas größter Marktwirtschaft nach einem neuen Geschäftsmodell. Und die Not, Fahrer auf die Plattform zu locken, scheint groß. Denn jedes Mittel ist gerade recht.

Im März hatten Gerichte das Angebot UberPop, bei dem private Fahrer ohne Personenbeförderungsschein unterwegs waren, verboten. Seither fordert Uber seine Fahrer auf, die Prüfung für die Zulassung abzulegen und sich als eigenständige Mietwagenunternehmer bei den Industrie- und Handelskammern eintragen zu lassen.

Wer die Examina besteht, erhält von Uber die Kosten zum Teil erstattet und wird Fahrer des neu gestarteten Dienstes UberX. Und Uber lockt damit, mit der Beförderung von internationalen Business-Kunden reich werden zu können.

In Emails, die das Unternehmen an regsistrierte UberPop-Fahrer verschickt, heißt es, UberX sei "die Zukunft im Bereich Business Travel". Bei Neukonzessionierung dafür würden 500 Euro Startbonus bezahlt. Und: "Mit UberX kannst Du als Partner bis zu 12.000 EUR pro Monat pro Fahrzeug verdienen!"

Riesenfundus zweifelhafter Methoden

Bei Nachfrage fällt das Versprechen allerdings in sich zusammen, wie ein Airbag nach dem Unfall. Die Kalkulation ergebe sich, wenn ein Auto 100 Stunden am Stück im Dienst sei und gehe von Unternehmern aus, die mehrere Fahrer wie Autos am Start haben, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Bei der in Aussicht gestellten Summe handelt es sich zudem um den Umsatz, nicht den Verdienst nach Abzug aller Kosten.

Damit sind die zweifelhaften Methoden, mit denen Kalanick auf Partner-Fang in Germany geht, indes noch nicht erschöpft. Anwärter in Hamburg erhalten in Sprechstunden von Uber-Managern etwa den Tipp, ihr Gewerbe in angrenzenden Kleinstädten wie Ahrensburg anzumelden. Dort benötige man nicht die aufwändige Ortskundeprüfung, um einen Personenbeförderungsschein zu bekommen, könne aber dennoch Fahrten in Hamburg annehmen.

Mietwagenunternehmer müssen nach jeder Fahrt ihre Wagen indes laut Gesetz zurück in die Zentrale fahren, bevor eine neue Fahrt angenommen werden kann. Wer Ubers Hinweis also in die Tat umsetzt, verstößt gegen geltendes Recht.

Uber teilte dazu mit, das Unternehmen lege Wert darauf, dass "Partner die Gesetze einhalten". Uber gebe solche Empfehlungen deshalb nicht ab, das Hamburger Beispiel sei ein "Einzelfall". Allerdings hatte das "Handelsblatt" ähnliche Methoden in Düsseldorf und Berlin aufgedeckt.

Erlös statt Gewinn, Profiunternehmen statt Einzelfahrer, Grauzone statt Neustart - bleibt abzuwarten, ob es sich mit Kalanicks Zusagen an seine Investoren am Ende nicht ganz ähnlich verhält.

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