Samstag, 20. Oktober 2018

Tina Müller über ihre Umbaupläne für Douglas "Das wird mir nicht passieren"

Douglas-Chefin Tina Müller: Stationen einer Karriere
Frank Wartenberg für manager magazin

Tina Müller über ihre Karriere, die Umbaupläne für die Parfümeriekette und die Körperpflege von Satiriker Jan Böhmermann.

Die folgende Geschichte stammt aus der März-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende Februar erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

manager magazin: Frau Müller, Sie gelten als eine der ehrgeizigsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Jetzt sind Sie endlich CEO. Zufrieden?

Tina Müller: Es freut mich. Aber ich bin nicht am Ziel, sondern stehe am Anfang. Ich komme aus der Kosmetikindustrie und musste das Handelsgeschäft erst mal kennenlernen. Deshalb habe ich zum Start am 1. November eine Woche lang in Douglas-Filialen ausgeholfen. Erst in meinem Heimatort Bad Neuenahr, dann habe ich mich über Bad Godesberg und Bonn weitergehangelt bis zur Zeil in Frankfurt, unserem größten Store in Europa.

mm: Mussten Sie Autogramme geben?

Tina Müller: Autogramme sind heute Selfies! Ich habe den Verkaufsprozess im Detail kennengelernt: Eine Kundin wollte einen bestimmten Puder kaufen, den musste ich erst mal sichten, dann war die gewünschte Nuance nicht vorrätig. Also iPad holen und über Douglas.de bestellen. Jetzt weiß ich, wie Omnichannel in der Praxis funktioniert.

mm: Ist ein Verkaufstalent an Ihnen verloren gegangen?

Tina Müller: Darauf kam's nicht an. Ich wollte vor allem erfahren, was die Kunden suchen, ob wir liefern können, wie unsere Prozesse laufen und wie unsere Filialleiter denken.

mm: Als Ihre Vorgängerin Isabelle Parize gehen musste, sind Sie quasi über Nacht bei Opel ausgestiegen. Gab es so etwas wie eine Übergabe?

Tina Müller: Die verlief sehr professionell und geordnet. Zum einen weil ich unseren Finanzvorstand Michael Rauch aus gemeinsamen Zeiten bei Henkel kenne, was reiner Zufall ist. Zum anderen habe ich auch mit Isabelle schon bei Henkel zusammengearbeitet.

mm: Es gab also kein Gezicke?

Tina Müller: Warum? Weil wir beide Frauen sind? Jetzt werden Sie gerade Opfer Ihrer eigenen Vorurteile. Ich habe bei unserem ersten Treffen am Flughafen auf sie gewartet, sie landete etwas später, dann sind wir erst mal ein Käffchen trinken gegangen und haben uns über die letzten 20 Jahre ausgetauscht.

mm: Ist es etwas Besonderes, als Frau die Nummer eins zu sein?

Tina Müller: Ich war immer bei Unternehmen, die keinen Unterschied gemacht haben zwischen weiblichen und männlichen Karrieren. Diese Selbstverständlichkeit hat mich geprägt.

mm: Sie waren lange bekennende Quotengegnerin, inzwischen halten Sie sogar eine Vorstandsquote für sinnvoll. Woher rührt der Sinneswandel?

Tina Müller: Es ist in den letzten Jahren auf der ersten Führungsebene einfach zu wenig passiert. Zugleich hat die Quote für den Aufsichtsrat einiges bewegt. Die Befürchtungen, dass man nicht genug qualifizierte Frauen finden könnte, haben sich nicht bewahrheitet. Warum sollte das nicht auch im Operativen gelingen? Es muss ja nicht gleich eine 30-Prozent-Quote für den Vorstand sein.

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