Sonntag, 21. Oktober 2018

Textilindustrie Die Erfolgsmasche der deutschen Modefirmen

Textilindustrie: Erfolgsmasche
Marc Cain

Deutsche Modefirmen wie Brax, Bugatti, Marc Cain und Roy Robson sind weder billig noch Premium - und laufen trotzdem prächtig. Wie geht das?

Hamburg - Bodelshausen, ein Städtchen am Fuße der Schwäbischen Alb. Ein paar Wirtshäuser, Metzger, Bäcker, saubere Bürgersteige. Idylle pur. Wäre da nicht am Ortsrand ein futuristischer Komplex, der so gar nicht in die Landschaft passt. Ein ovales, fast gläsernes Gebäude, das an ein gelandetes Ufo erinnert.

Innen ist fast alles weiß - die Wände, die Fußböden, die Möbel. Mitarbeiter in schwarzen T-Shirts schwirren umher oder sitzen an PCs. Und mittendrin der Hausherr: Helmut Schlotterer (67), grauer Anzug, graue Haare. Am Ende des Rundgangs durch sein Reich lässt er sich in einen Sessel fallen und sagt: "Hat 70 Millionen Euro gekostet, alles aus dem Cashflow finanziert."

Wie bitte?

Die Nachfrage ist legitim, denn der Mann ist Modeunternehmer, Chef und Inhaber des Damenbekleiders Marc Cain. Er verdient sein Geld in einer Branche, die hierzulande seit den 70er Jahren mehr Arbeitsplätze vernichtet hat als Trends produziert. Er muss sich in einem Preissegment behaupten, das weder billig ist noch Luxus. Und mit seinen 253 Millionen Euro Umsatz hat er gegenüber Unternehmen wie Hugo Boss Börsen-Chart zeigen, Gerry Weber Börsen-Chart zeigen oder S. Oliver auch noch deutliche Größennachteile.

Investitionen am teuren Standort Deutschland

Wie also kann sich ausgerechnet Marc Cain eine solche Investition am teuren Standort Deutschland leisten? "Man muss dazu viele Dinge richtig machen", antwortet Schlotterer selbstbewusst.

Er steht mit seinem Erfolg nicht allein da. In der deutschen Textilindustrie steckt mehr Leben, als manch einer vermutet. Während Glitzerfirmen wie Strenesse gegen den Untergang kämpfen, sind es unscheinbare Mittelständler wie Brax, Bugatti (beide in Herford) oder Roy Robson (Lüneburg), die in den vergangenen Jahren zu breitschultrigen Unternehmen herangewachsen sind.

Und das trotz der nahezu übermächtigen Konkurrenz von unten (H&M, Zara) und von oben (den noblen Amerikanern, Franzosen und Italienern). Wie haben sie das geschafft?

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