Freitag, 16. November 2018

Anleihe unter Druck Wie Investoren den Textil-Discounter Takko ausnahmen

Takko: Ohne Dynamik
DPA

Von zahlreichen Eigentümer- und Chefwechseln geschunden, sucht der Textilfilialist vergeblich nach einer Strategie. Schon lauern die Geierfonds.

Der folgende Text stammt aus der Mai-Ausgabe des manager magazins. Wir veröffentlichen ihn hier ausnahmsweise als Kostprobe auch für Nicht-Käufer des Magazins. Damit Ihnen künftig keine "Wirtschaft aus erster Hand" mehr entgeht, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Takko, nach eigenen Worten einer der erfolgreichsten Modefilialisten Europas, neigt zu Übertreibungen. Aber sagt manchmal doch, ganz ungewollt, die Wahrheit. "Stillstand", so heißt es auf der Website des westfälischen Unternehmens, "kommt bei Takko nicht infrage."

In der Tat: Das Unternehmen hat in den vergangenen gut eineinhalb Jahrzehnten drei Eigentümerwechsel über sich ergehen lassen. Im selben Zeitraum haben nicht weniger als sechs Chefs die Firma geführt, mehr als ein Dutzend Ressortgeschäftsführer kamen und gingen. Und unter jedem anderen Gesellschafter und jedem neuen Unternehmensleiter änderte sich auch die Strategie – mit schwerwiegenden Folgen für das Geschäft.

Viel weniger Bewegung ist im Umsatz, er steckt bei etwas über einer Milliarde Euro fest. Das operative Ergebnis (Ebit) kann niemanden zufriedenstellen - – es beträgt weniger als 2 Prozent vom Umsatz. Hohe Zinsbelastungen aus Schulden, die Takko von den wechselnden Eigentümern aufgedrückt bekam, belasten den Ertrag unter dem Strich.

Die Hauptgesellschaft Takko Holding, die für etwa 80 Prozent des Geschäfts steht, weist seit Jahren kräftige Fehlbeträge aus – allein 2014/15 knapp 37 Millionen Euro – und schiebt einen Verlustvortrag von mehr als 300 Millionen Euro vor sich her. Und eine Strategie, mit der sich die Kette aus der Zwangslage befreien könnte, scheint nicht in Reichweite. Takko gehört damit zu den vielen Unternehmen, deren Erfolgskurve unter Private-Equity-Eigentümern regelmäßig abbricht und die von Schulden und Missmanagement geradezu begraben werden.

Hinzu kommt eine weitere Erschwernis: Es gibt niemanden, der den längst fälligen Turnaround anpacken könnte. Im Jahr 2015 kam es zu einem Exodus aus der Geschäftsführung. Seit Mitte November hat die geschundene Firma keinen CEO mehr.

In der Reihe der Eigentümer seit dem Jahr 1999 steht ganz am Anfang der Einzelhändler Tengelmann – heute noch Besitzer der Billigkette KiK, die sich einst aus Takko entwickelt hatte. Es folgten die Private-Equity-Unternehmen Permira, Advent und Apax. Die ersten drei Besitzer verdienten mit Takko viel Geld, für die derzeitige Gesellschafterin, eine von Apax beratene Investorengruppe, entwickelte sich der Einstieg bei dem Filialisten zum Desaster.

Salopp formuliert: Das Investment befindet sich in voller Ausdehnung unter Wasser – Apax bleibt nur, die Luft anzuhalten und auf Rettung zu hoffen. Ein Exit zeichnet sich nicht ab. Ein Verkauf oder ein Börsengang wäre allenfalls mit großen Einbußen möglich, eine Insolvenz würde zum Totalverlust führen. Schon jetzt soll Apax die eingesetzten Mittel in voller Höhe abgeschrieben haben.

Dabei wollte der britische Investor das Unternehmen vor gut fünf Jahren um jeden Preis erwerben. Der damals federführende Apax-Partner Christian Näther (50) war mit Euphorie bei der Sache – - er brauchte anscheinend dringend einen Deal.

Apax bezahlte atemberaubende 1,3 Milliarden Euro, was das Takko-Engagement für die Verkäuferin zu einem blendenden Geschäft werden ließ. Advent hatte drei Jahre zuvor an Permira lediglich 770 Millionen Euro überwiesen.

Am Firmensitz im westfälischen Telgte wird gewitzelt, Apax habe allein deshalb mindestens 100 Millionen Euro zu viel gezahlt, weil sich die Briten von einem imponierenden Glasvorbau blenden ließen. Mit dem hatte der damalige Takko-Chef Stephan Swinka (55) den Eingang der Zentrale repräsentativer gestaltet. Kostenpunkt: ganze 150000 Euro. Bis dahin hatte das Entree des barackenähnlichen Baus einen völlig vernachlässigten Eindruck gemacht, ausgestattet mit einem nach Chlor stinkenden Wasserspiel. Dort mochte man niemanden empfangen.

Der 2008 von Advent eingestellte Swinka, zuvor bei der Gebrauchsartikelsparte von Tchibo und beim Filialisten Ernsting's Family, hatte nicht nur den Haupteingang verschönert. Er modernisierte auch die Läden und expandierte kräftig im In- und Ausland.

Swinka vereinheitlichte das Firmenlogo, das bis dahin in so vielen verschiedenen Varianten existiert hatte, wie es vor ihm Chefs und Eigentümer gab. Aus Takko wurde nun Takko Fashion. Er ließ den Werbeclaim "Alle wollen gut aussehen" kreieren. Der Bekleidungshändler schaltete TV-Spots mit wechselnden Angeboten – ganz so, wie Swinka es einst bei Tchibo eingeübt hatte.

Seite 1 von 4

© manager magazin 5/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH