Montag, 17. Dezember 2018

Tech-Industrie Hidden Champions - Deutschland ist digitaler als sein Ruf

Hidden Champions: Deutschland ist digitaler als sein Ruf
Corbis

3. Teil: "Das Valley ist deindustrialisierte Zone"

Die industrielle Sphäre überlassen die Amerikaner oft den Deutschen. Felix Reinshagen hat für sich daraus die Konsequenz gezogen, die USA zu verlassen. Der promovierte Ökonom und Informatiker arbeitete bis vor vier Jahren im McKinsey-Büro in Palo Alto. "Das Valley ist deindustrialisierte Zone", sagt er. Sein Unternehmen Navvis gründete er, trotz verführerischer Angebote der geldstrotzenden US-Investoren, daher lieber in München, gemeinsam mit drei Freunden. Die Bayern-Metropole ist aus seiner Sicht "das weltbeste Cluster für das Internet der Dinge".

Gemeinsam mit den Roboterforschern will er den ultimativen Anbieter von Gebäudenavigation aufbauen. Navvis soll digitale Kopien von all den Innenräumen erstellen, in denen der "größte Teil der globalen Wertschöpfung stattfindet". Ein gigantischer Markt, der Platz biete für einen internationalen Player, schwärmt der Ex-Consultant.

Das Herzstück dieser Vision steht in einem nüchtern-weißen Flur in einem unscheinbaren Bürohaus im Stadtteil Neuhausen: Ein Wägelchen, das wie das Arbeitsgerät einer Reinigungsfirma aussieht, tatsächlich aber einzigartig ist. Vollgestopft mit Kameras, Laserscannern und unzähligen Sensoren, erzeugt der Trolley aus Hunderten Millionen Messpunkten selbsttätig fotorealistische 3-D-Karten von Innenräumen. Um die 150.000 Quadratmeter große BMW-Fertigung im Stammwerk München bis zum letzten Stecker zu erfassen, benötigte der Trolley gerade mal ein Wochenende.

Der 3-D-Druck gehört den Deutschen

"Je anlagennäher und industrieorientierter, desto stärker ist die deutsche IT", erklärt Bernhard Langefeld, Maschinenbauexperte bei Roland Berger. Die 3-D-Sensortechnologie der Siegener PMD Technologies etwa, eine Tochter von IFM Electronic, steuert den Valkyrie-Roboter der Nasa. Weltweit nutzen Polizisten für Geschwindigkeitsmessungen die Poliscan-Technologie von Vitronic aus Wiesbaden.

Was Robotik, Sensortechnik und maschinelle Bildverarbeitung betrifft, macht den Deutschen keiner was vor. Im industriellen 3-D-Druck sind gleich alle drei Topunternehmen deutscher Herkunft, allen voran Eos aus Krailling bei München.

Ähnlich stark sind heimische Hersteller bei der Vernetzung von Maschinenparks und bei Software für die Logistik. All diese Produkte setzen neben Branchenwissen auch ausgeprägte Fähigkeiten in der Big-Data-Analyse voraus - sowie bei künstlicher Intelligenz und lernenden Maschinen.

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Alles Spezialitäten made and adopted in Germany. Und diese Kompetenzen bilden die Basis der nächsten großen Tech-Welle - die Verknüpfung der analogen Maschinenwelt mit der digitalen Sphäre. Kein Wunder also, dass die Hidden-Tech-Champions immer häufiger von globalen Konzernen entdeckt und auch geschluckt werden.

Im Mai 2015 beispielsweise schnappte sich Apple Börsen-Chart zeigen die Münchener Firma Metaio - für einen dreistelligen Millionenbetrag, heißt es. Metaio ist ein Spezialist für Augmented Reality. Intel Börsen-Chart zeigen kaufte im Januar den Drohnenexperten Ascending Technologies aus Krailling. Anfang Februar griff IBM Börsen-Chart zeigen bei der Berliner Digitalagentur Aperto sowie deren Düsseldorfer Kollegen Ecxio zu.

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