Freitag, 20. Juli 2018

Telekomtochter in der Krise Fehler im T-System

T-Systems: Missmanagement der IT-Tochter
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DPA

Die IT-Tochter der Telekom kommt seit über zehn Jahren nicht aus der Krise. Die Diagnose: multiples Konzernversagen. Kann der neue Chef Adel Al-Saleh T-Systems retten?

Die folgende Geschichte stammt aus der April-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende März erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Wenn Adel Al-Saleh (54) zu seinen Mitarbeitern spricht, klingt er wie ein Motivationstrainer. Er will seine Leute antreiben, lächelt emsig, in der Hoffnung, dass die Begeisterung auf die Mannschaft überspringt. "Große Energie, große Emotion, klare Strategie", hieß es in einer Intranetvideobotschaft Ende Januar. Al-Saleh steht umringt von Führungskräften und fragt: "Are we ready, leaders?" Seine Leute heben die Fäuste: "Yeah!"

Für T-Systems-Verhältnisse ist das wie Heavy Metal im Altersheim. Kein Vergleich zum Stil von Al-Salehs deutschem Vorgänger Reinhard Clemens (58), einem ruhigen Ingenieur, der mit vielen Pausen spricht. Der neue CEO führt seit Amtsantritt einen Blog, um seine Leute zu erreichen. "Hallo Team, ein kurzes Update von mir", schreibt er und erzählt, was er erlebt hat.

Al-Saleh stammt aus Florida und hat sich sein sonniges Gemüt bewahrt. Er ist ein charismatischer Typ, hat sich zum Ziel gesetzt, die Kultur der Firma "umzudrehen". Weite Teile von T-Systems - immerhin Deutschlands größter IT-Dienstleister - befinden sich nach Jahren des Niedergangs in der Depression. In den vergangenen zehn Jahren machte das Unternehmen nur zweimal Gewinn, die Mutter Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen musste allein in dieser Zeit über eine Milliarde Euro für Restrukturierungen aufwenden.

Gebracht hat es wenig, T-Systems blieb ein Dauerproblem. Die IT-Tochter wurde vom Konzern mitgezogen, aber nicht geliebt. Schon früh hätte man sie in Bonn gern abgestoßen, man konnte sich jedoch nicht dazu durchringen. Jahrelang verdrängten Vorstand und Aufsichtsrat die Misere und ließen es laufen. Andere Themen wie die US-Expansion waren stets wichtiger. Nicht zuletzt weil der Vorstand des staatlich beeinflussten Konzerns (der Bund hält 32 Prozent der Anteile) den Konflikt mit Verdi und den Betriebsräten scheute.

Die Sparte mit immerhin gut 37.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von fast sieben Milliarden Euro wurde über 15 Jahre behandelt wie ein irrelevantes Nebengeschäft. So wurde der Fall T-Systems zu einem Lehrstück über Managementversagen, wie es nur in einem Großkonzern möglich ist.

Nun soll Al-Saleh die Mannschaft wieder motivieren und die Tochter neu ordnen. Am Ende dieses Prozesses könnte das darbende IT-Outsourcing verkauft werden. Das Geschäft ist der wichtigste Umsatzbringer, gilt im Cloudzeitalter jedoch als Auslaufmodell. Das wissen auch die Arbeitnehmervertreter. Verdi wird die mitarbeiterstarke Bastion kaum kampflos aufgeben.

Adel Al-Saleh gibt sich viel Mühe, entspannt rüberzukommen. Dabei liegen harte Wochen hinter ihm. Verdi keilte öffentlich gegen ihn, weil er im Intranet angekündigt hatte, die Firma in zwei Teile zu spalten - ohne vorab die Betriebsräte zu konsultieren. Ein Anfängerfehler eines Managers, der zuvor vor allem für britische und US-Unternehmen gearbeitet hat und nun das Wesen der Mitbestimmung auf die harte Tour lernen muss.

Der Neue will das klassische IT-Outsourcing, das die Bilanz seit Jahren rot einfärbt, von Wachstumsgeschäften wie vernetzten Parkplätzen und Clouddiensten trennen. Verdi fürchtet die Gründung einer "Bad Bank", die, sobald ein testiertes Ergebnis vorliegt, abgestoßen werden könnte. Viele Mitarbeiter wären dann überflüssig.

Geht es nach der Gewerkschaft, wird es erst mal nichts mit der Transformation. Er möchte nicht "im Schweinsgalopp" in den Umbau hineinrennen, sagt Betriebsratsboss Josef Bednarski. Eine Aufspaltung von T-Systems sei "unnötig" und "demoralisiere" die Beschäftigten, poltert Vize-Aufsichtsratschef Lothar Schröder. Die Arbeitnehmer schließen Streiks nicht aus. Al-Saleh kenne die Kultur nicht, heißt es, "unsere Leute sind längst auf Schaum".

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