Samstag, 15. Dezember 2018

Telekomtochter in der Krise Fehler im T-System

T-Systems: Missmanagement der IT-Tochter
DPA

3. Teil: Stumpf ist Trumpf

Rentabel waren die Aufträge oft nicht. "Clemens hat Umsatz besorgt, aber am Ende stimmten die Zahlen nicht", sagt ein Ehemaliger. T-Systems schneiderte zu oft "teure Maßanzüge", anstatt zu standardisieren. Und es haperte an der Umsetzung: Die Versprechungen des Vertriebs konnte der Delivery-Bereich, der später für den Kunden arbeitete, oft nicht einlösen. "Stumpf ist Trumpf", lästerten die Verkäufer, wenn die Kollegen mal wieder einen Kunden vergraulten. Viele der Großaufträge sollen bis heute Probleme bereiten. Clemens war ein IT-Experte und Vertriebsass, als Organisator jedoch überfordert.

Ergebnis (Ebit) von T-Systems
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Ergebnis (Ebit) von T-Systems

Aber auch die Verkäufer wussten nicht nur zu glänzen. Sie ließen sich darauf ein, den Bundesligisten VfL Wolfsburg zu sponsern, um einen Auftrag von Volkswagen zu erhalten. Der verantwortliche Vertriebschef Joachim Langmack (74) musste sogar eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen und wurde hinausgedrängt, was so mancher im Konzern rückblickend für übertrieben hält - angesichts seiner erwiesenen Unschuld. VW zahlte zwei Millionen Euro Strafe, Chefeinkäufer Garcia Sanz blieb unbehelligt. Aufträge an Clemens vergab er keine mehr.

Technologische Umwälzungen erkannte die Führung zu spät. Mittlerweile wandern viele IT-Dienste in die leistungsfähigen Clouds von Amazon (AWS), Microsoft (Azure) oder seit Neuestem Google. Wegen des starken Gewerkschaftseinflusses tat sich T-Systems stets schwer, Mitarbeiter zu reduzieren, wenn die Produktivität dank technischer Innovationen wieder mal gestiegen war.

Eigentlich hätte die Telekom ihr Outsourcing-Business längst losschlagen oder entschiedener reformieren müssen. Doch die Konzernführung verschleppte die Misere wie eine Grippe - was es nur schlimmer machte. Als Verhandlungen mit dem Konkurrenten Atos einmal fast in einen Deal gemündet wären, machte der Vorstand erschrocken einen Rückzieher. Das IT-Geschäft schien ihm zu eng mit den Telekommunikationsdiensten für große Geschäftskunden verwoben. Die Franzosen sind bis heute scharf auf die edle Kundendatei - mittlerweile allerdings zu einem negativen Kaufpreis, wie man sich in Bonn erzählt.

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