Freitag, 16. November 2018

Swatch Group Der Uhrenprinz

Zeitmesserdynastie: Uhrenvater Nicolas Hayek und seine Erben
Jörg Brockmann für manager magazin

Marc A. Hayek, der Enkel des legendären Firmengründers, wacht über die ultimativen Luxusmarken des Swatch-Konzerns - ganz wie schon der Großvater.

Biel - Bald hinter dem Genfer Flughafen, wo einst der Spötter und Philosoph Voltaire zu seinem Vergnügen eine Uhrenmanufaktur betrieb, geht es aufwärts durch Weinberge ins Märchenhafte. Oben finsterer Fichtenwald, Nebelschwaden in den Baumwipfeln neben der gewundenen Straße, längsseits schnürt ein Fuchs. Hinter dem Tann öffnet sich ein Tal mit verschlafenen Dörfern um einen gestreckten See, ein paar Bauerngehöfte. So sieht es aus, das Reich des ultimativen Uhrenluxus, die Heimat von Manufakturen mit klangvollen Namen.

Einer der Könige hier ist Marc A. Hayek (42), Herr über drei Topmarken der Uhrenbranche. Der Enkel des legendären Swatch-Group-Gründers Nicolas Hayek wandelt auf den Spuren seines Großvaters, er gilt als der Kronprinz des weltweit größten Uhrenkonzerns, die Schweizer Medien nennen ihn bereits Hayek III.

Es ist ein gediegenes Reich, über das er wacht. In einem Seitental von Le Brassus an einem Wildbach steht das Châlet, in dem kostbare Chronometer der Marke Blancpain (rund 20.000 Stück pro Jahr) beschraubt werden. Ein Dorf weiter, in L'Orient, befindet sich in einem prächtig hergerichteten Industriebau die Manufaktur der Marke Breguet (knapp 30.000 Stück), noch ein Stück am See entlang, in einer Villa in L'Abbaye, die Breguet-Verwaltung.

Einen Sprung weit entfernt, aber auch noch im Schweizer Jura gelegen, in La Chaux-de-Fonds, das dritte Label unter Hayeks Führung: Jaquet Droz (rund 4000 Stück), 275 Jahre alt und gerühmt für seine erlesenen kunsthandwerklichen Zifferblätter, auf denen Blaumeisen und Kronenkraniche ihr Spiel treiben, Schmetterlinge flattern und Tiger tigern, alles in Emaille.

Die Bieler Zeit-Genossen

Der Preziosenmeister hat den Gast, dem er nach einem Dreivierteljahr Wartezeit ein Treffen gewährt, erst einmal in die Berge geschickt. Damit der sieht, dass Luxus schön ist, aber auch viel Arbeit macht. Danach erwartet Hayek ihn in der Hauptverwaltung der Swatch Group in Biel, einem schlichten Graubau.

Neben den drei Marken, die Marc Hayek führt, hat er noch einen Sitz in der Konzernleitung. Dort folgt er dem Kommando seines Onkels Nick Hayek, dem Konzernchef. Und den Ratschlägen seiner Mutter Nayla, die dem Verwaltungsrat der Gruppe vorsitzt. Nick und Nayla sind die beiden Kinder des 2010 verstorbenen Patriarchen Nicolas Hayek.

Er habe wirklich nur sehr wenig Zeit, entschuldigt sich der kräftige Kahlkopf im blaugrauen Anzug, den Hemdkragen offen, am Kinn einen schmalen Streifen Bart. Statt der sechs Uhren, die sein Großvater gern auf beide Unterarme verteilt hatte, trägt Marc Hayek nur eine einzige, eine graue Blancpain "Fifty Fathoms" mit markiger Tauchlünette.

"So um die 15, 20 Uhren sind es, die ich überwiegend trage, Stücke, die mir am Herzen liegen", antwortet Hayek auf die Frage nach seinem persönlichen Uhrenbesitz. Und fügt an: "Ich gehöre zu den Zeitgenossen, denen eine Uhr auch noch die Zeit anzeigen muss."

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