Mittwoch, 14. November 2018

Das indische Surat ist die neue Diamanten-Metropole Jeden Monat eine Milliarde Euro Umsatz

Surat: Die Diamanten-Metropole
AFP

Antwerpen als globaler Umschlagplatz für Diamanten? Stimmt. Doch inzwischen landen fast alle in der Welt geförderten Rohlinge in der indischen Stadt Surat, wo sie auf kuriose Weise gehandelt werden.

Eine Milliarde Euro. Im Monat. Man muss diese Zahl einfach nennen. Und man muss sie sich immer wieder vor Augen führen, wenn man sich durch das Gewimmel auf der Main Road der indischen Metropole Surat kämpft. Für rund eine Milliarde Euro im Monat werden hier Rohdiamanten gehandelt. Surat ist der größte Umschlagplatz der Welt für die unbehandelten Steine, die Main Road für viele die Straße zum Glück.

Die Diamanten wechseln den Besitzer unter freiem Himmel, auf einem archaisch anmutenden Basar. Zehntausende Männer (Frauen haben in dem Gewerbe nach den ungeschriebenen Regeln der Zunft nichts zu suchen) stehen dicht gedrängt am Straßenrand und in den Seitengassen, in Jeans und Shirts. Die Motorrad- und Tuk-Tuk-Fahrer, die mit geschickten Manövern und lautem Hupen versuchen durchzukommen, bleiben immer wieder stecken.

Ebenso undurchdringlich ist das Stimmengewirr, das über der Menge liegt. Käufer und Verkäufer, die um Preise feilschen, über Qualitäten streiten, gestikulieren, schwatzen. In den Händen kleine, mit blauem Samt ausgeschlagene Tabletts, auf denen glitzernde Splitter, Körner oder auch mal Steinchen liegen, und eine Lupe, zur Prüfung der Reinheit.

Das Ganze in sengender Sonne. Es gibt nur wenige Hallen, in denen sich die Händler an schmalen Tischen gegenübersitzen. Sind sie sich einig, werden Bündel abgegriffener Rupienscheine aus den Hosentaschen gezogen. Quittungen gibt es keine. Alles Vertrauenssache.

Steine-Stadt Surat - 90 Prozent der in aller Welt geförderten Edelkristalle landen mittlerweile in dem Fünf-Millionen-Einwohner-Ort an der Westküste Indiens. In seinen rund 4000 Manufakturen werden aus dem Rohstoff glitzernde Solitäre geschliffen. 1,5 Millionen Menschen arbeiten direkt oder indirekt in der Industrie.

© manager magazin 1/2016
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