Mittwoch, 20. März 2019

Führung Klötzchen statt PowerPoint - wenn Manager mit Lego spielen

Strategie: Klötzchen statt Powerpoint
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3. Teil: Bauch besiegt Kopf

Das Bauchgefühl funktioniert wie ein Filter. Es lässt nur die wirklich wichtigen Informationen durch den Datenwust hindurch. Verhaltensforscher wie Florian Artinger sprechen von Heuristiken, einfachen Entscheidungsmodellen, die nur auf wenigen Parametern beruhen.

"Je komplizierter die Entscheidung und je dynamischer der Kontext, desto schwieriger ist es, gute Prognosen mittels komplexer Modelle zu generieren", sagt der Berliner Max-Planck-Experte. Heuristiken seien in solchen Fällen "sehr erfolgreich". Also: Je komplizierter das Problem, desto besser ist es durch Intuition zu lösen.

Allerdings muss die auf einer soliden Wissensbasis ruhen. Nur wer sich lange mit einem Thema beschäftigt hat, erkennt aus dem Bauch heraus, welche zwei, drei Faktoren bei einer Entscheidung wichtig sind und welche vernachlässigbar.

So bekam Harry Markowitz für seine sehr komplizierte Portfoliotheorie den Nobelpreis. Privat indes streute der Ökonom aus Chicago seine Investments einfach gleichmäßig über verschiedene Produkte, statt seinem eigenen verkopften Modell zu folgen. Wer nachrechnet, erkennt: Bei nur 25 Anlagen bräuchte es 250 Jahre, bis seine Nobelpreistheorie bessere Renditen erzeugen würde als das simple Prinzip 1/N. Bauch besiegt Kopf.

Als Mitgründer der Berliner Beratungsfirma Simply Rational erlebt Max-Planck-Forscher Artinger bei Managern ständig den Kampf zwischen Ratio und Intuition. Daten - bergeweise geliefert von Dienstleistern wie SAP Börsen-Chart zeigen oder den Hellsehern aus der Marktforschung - galten lange als die Religion der Entscheider. Der Vorteil: Wer Daten auf seiner Seite hat, entscheidet vermeintlich rational, also nachvollziehbar. Intern sind mit Zahlen untermauerte Beschlüsse leichter durchsetzbar.

Der Datengläubigkeit ein Denkmal gesetzt hat Anfang des vergangenen Jahrzehnts der US-Autor Michael Lewis. In seinem Buch "Moneyball" beschreibt er, wie Billy Beane, Manager des Baseballteams Oakland Athletics, seine Mannschaft anhand von Statistiken zusammenstellte, anstatt wie üblich auf Bauch und Erfahrung zu vertrauen. Und siehe da, das bis dahin nur mittelmäßige Team schaffte es mit seinem relativ kleinen Etat in die Play-offs der US-Profiliga. "Moneyball" wurde sogar verfilmt, mit Brad Pitt als zahlengläubigem Baseballmanager.

Am Ende aber erwies sich der Erfolg von Billy Beanes Methode als begrenzt: Meister sind die A's seither nie geworden.

Es braucht eben beides für eine kluge Strategie: Kopf und Bauch. Als die Wirtschaftsprüfer von PwC 2016 deutsche Topmanager fragten, was sie bei ihrer letzten großen Entscheidung am meisten beeinflusst habe, nannten 41 Prozent ihre Intuition - der Spitzenwert. "Daten und Analyse" landete mit 34 Prozent auf Platz zwei.

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