Samstag, 23. Juli 2016

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Telekombranche Gier nach Größe - die Pläne der Deutschen Telekom

Telekom: Tims Team - auf welche Manager Höttges setzt
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DPA

Das Endspiel in der Telekombranche läuft, die Deutsche Telekom wird von Riesen bedroht. Hier ist der Plan, wie der künftige Chef in Bonn, Tim Höttges, zurückschlagen will.

Hamburg - Das Ambiente ist trostlos, doch für Erbauung ist gesorgt. Die Mitglieder des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom sitzen in einem Konferenzraum des "T-Mobile Office Park", zehn Autominuten vom Warschauer Flughafen entfernt, und Timotheus Höttges (51) hat ein dickes Paket Zukunft austeilen lassen.

Gut zehn Monate ist es her, dass sich die 19 Frauen und Männer unter der Führung Ulrich Lehners (67) für den Finanzchef Höttges als künftigen Telekom-Primus entschieden haben. Jetzt, auf der Strategie- und Klausurtagung, geht es um die alles entscheidende Frage: Wohin wird er die Telekom führen? Bis zur letzten Minute hatte sein Team in Bonn noch Charts und Analysen für das Treffen Anfang September zusammengestellt, jetzt liegt das Konvolut vor, manche haben es ausgedruckt vor sich liegen, ein 90 Seiten dickes Bündel.

Lamellen an den Fenstern dunkeln den Raum ab, während Höttges zu seiner Präsentation ansetzt. Vor allem zwei Schaubilder sollen sich möglichst tief ins Bewusstsein brennen. Nummer eins: Auf dem Chart ballen sich dicke Balken. Der Turm ganz rechts außen steht für die Marktkapitalisierung von Apple, "309 Milliarden" Euro ist darüber vermerkt. Daneben folgen Google, "222 Milliarden", Microsoft mit "204", Samsung "108".

Am linken Rand des Schaubilds prangen ebenfalls hohe Balken, für China Mobile mit "160 Milliarden" Euro, ein anderer für den Telekom-Konzern AT&T aus den USA, Marktwert "139 Milliarden". Irgendwo in der Mitte eingequetscht können die Kontrolleure auch ein magentafarbenes Häufchen sehen. Es ist die Telekom, Börsenwert "43 Milliarden". Die Aufsichtsräte sehen auf ihren Monitoren einen neuen Chart: Wieder Türme, sie symbolisieren, wie sich die europäischen Telekommunikationsanbieter zwischen August 2009 und August 2013 an der Börse geschlagen haben.

Mächtige Wettbewerber aus Übersee drängen nach Europa

Der Telefónica-Balken schrumpfte über die vier Jahre um 38 Prozent, das Orange-Türmchen (früher France Télécom) gar um 58. Nur der Magentabalken hat in dem Zeitraum knapp 9 Prozent zugelegt. "Die Deutsche Telekom kann die Führungsrolle bei der Konsolidierung übernehmen" hat Höttges dieses Papier betitelt.

Größe, das passt zu dem 1,93 Meter langen Manager, den in Bonn alle nur Tim nennen. Und Gier nach Größe, das wissen die Aufsichtsräte jetzt, soll die Telekom und ihre 230.000 Mitarbeiter in den nächsten Jahren antreiben. Neben dem personellen Neustart - René Obermann (50) gibt zum Jahreswechsel ab - steht ein strategischer Richtungswechsel an. In Warschau hat Höttges allen klargemacht: Die Zeiten des Kittens und Klebens, des Schrumpfens und Gesundens, für die sein Vorgänger stand, sind Tempi passati.

Mächtige Wettbewerber aus Übersee drängen nach Europa, die Preise für Europas Telekomkonzerne sind günstig wie lange nicht. Höttges glaubt, dass nur zwei europäische Großplayer überleben können, wenn die von den Eindringlingen ins Rollen gebrachte Übernahmewelle erst einmal über den Kontinent schwappt.

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