Dienstag, 11. Dezember 2018

Stiftungen Geld ist nicht alles

Petra Herz bis Harry Roels: Gemeinnutz will gelernt sein
Berthold Steinhilber für manager magazin

Etliche Manager geben viel Geld für gute Zwecke her. Aber Wohltäter ist kein einfacher Job: Gemeinnutz will gelernt sein, und manche Stifter übernehmen sich mit dem Management ihrer Stiftung.

Stifter sind leise Zeitgenossen. Nicht Eitelkeit treibt sie in die Öffentlichkeit, sondern ihr Projekt. So geht es Harry Roels, dem früheren RWE-Chef. Oder dem Stuttgarter Managerehepaar Volker Göbel und Brigitte Ott-Göbel. Auch Petra Herz denkt so. Galas und Empfänge, in denen andere Mitglieder der Upperclass schwelgen mögen, das Bussi-Bussi der besseren Kreise - ihr liegt es nicht.

Doch ein wenig Öffentlichkeit muss sein, denn Petra Herz (55) führt eine Stiftung: die am Vermögen gemessen achtgrößte gemeinnützige Stiftung Deutschlands. Rund 1,3 Milliarden Euro Grundkapital hat die Joachim Herz Stiftung in ihren Büchern, sechs Millionen Euro wurden 2012 an Projekte in den Bereichen Naturwissenschaft, Persönlichkeitsbildung und Wirtschaft vergeben.

Wer steuerbegünstigt mit solchen Summen hantiert, der muss seine Arbeit nach außen repräsentieren. So sammelt Petra Herz, die Milliardärswitwe, neben Erfahrungen im Stiftungsgeschäft nun auch Praxis im Umgang mit der Außenwelt.

Zum Gespräch in ihrem schlicht möblierten Büro in Hamburg-Langenhorn bringt sie den Leiter ihres Family Office mit. Er sekundiert mit Details, wenn es ums Zahlenwerk geht. Petra Herz spricht zurückhaltend. "Menschen zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen" sei ihr ein Anliegen, sagt die studierte Apothekerin, die sich ganz unerwartet in der Rolle der Stiftungslenkerin wiederfand. Jahrzehntelang hatte sie mit ihrem Gatten, dem zweitältesten Sohn des Tchibo-Gründers Max Herz, ein zurückgezogenes Leben zwischen Hamburg und Atlanta geführt. 2008 kam Joachim Herz ums Leben.

Es ist leichter, Geld zu verdienen, als es effektiv einzusetzen

Ein Testament trat in Kraft, in dem das kinderlose Paar die Gründung einer Stiftung fixiert hatte; gedacht freilich als Projekt einer nicht allzu nahen Zukunft. Acht Wochen nach dem Unfalltod des Tchibo-Erben war dessen letzter Wille vollstreckt, und Petra Herz übernahm den Vorsitz des Stiftungsvorstands.

Seither ist viel geschehen. Ein Steuerberater und ein Rechtsanwalt aus dem Umfeld von Joachim Herz übernahmen Vorstandsämter und gingen wieder. Die ehemalige Generalbundesanwältin Monika Harms gab ein Intermezzo im Stiftungsvorstand, der Pressesprecher wurde ausgetauscht. Mehr als ein Jahr verfloss, bevor erste Mittel vergeben wurden, an die damalige Landesexzellenzinitiative zugunsten der Hamburger Hochschulen und das Stipendienprogramm der Bucerius Law School.

Wer die Geschichte der Joachim Herz Stiftung verfolgt, lernt, was schon Warren Buffett wusste: Es ist leichter, viel Geld zu verdienen (oder zu erben), als es effektiv einzusetzen.

Intensiv diskutiert die Republik derzeit über privates gemeinnütziges Stiftungshandeln. Die einen, Vermögende wie der Sozialforscher, Erbe und Stifter Jan Philipp Reemtsma, verteidigen ihre Freiheit. Reiche sollen im Prinzip fördern dürfen, was und wie sie es wollen, ließ Reemtsma via "Süddeutsche Zeitung" die Öffentlichkeit wissen - Experimente und Misserfolge explizit eingeschlossen. Warum? "Weil sie es eben können."

Reemtsma hofft auf mehr Kreativität und Ideenvielfalt auf dem Boden bürgerlicher Selbstentfaltung und möchte diese nicht eingeschränkt sehen. Doch Kritiker der Stiftungsszene mögen sich nicht auf hehre Motive verlassen. Sie monieren gravierende Managementdefizite in der Stiftungswelt: So bescheinigte eine Studie von KPMG für den Bundesverband Deutscher Stiftungen vor allem den kleineren Institutionen mangelnde Transparenz und ein völlig unzureichendes Risikomanagement.

Auch bei der Anlage des Stiftungsvermögens passierten Fehler.

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