Freitag, 24. November 2017

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Start-up-Zentren nach US-Vorbild Was die Gründerzentren deutscher Hochschulen taugen

Zentrum für deutsche Gründer: das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Deutsche Hochschulen eifern den amerikanischen Vorbildern nach und installieren massenweise Start-up-Zentren. Was taugen die Geburtshelfer des Unternehmertums?

Garagenfirmen gibt's nicht mehr nur im Silicon Valley, sondern seit Neuestem auch in Deutschland. Felix Ballendat zum Beispiel bohrt, fräst und dreht die Werkstücke, die er für die Prototypen seines Start-ups namens UrbO braucht, in der Garage seiner Eltern im niederbayerischen Simbach am Inn.

Von dort pendelt Ballendat täglich nach München ins Labor, und das mit einem BMW Z3, den er eigenhändig auf Elektroantrieb umgebaut hat. Der Sportwagen, Batteriereichweite 200 Kilometer, ist vom TÜV abgenommen und äußerlich nicht zu unterscheiden von einem Modell mit Benzinmotor.

Eigentlich ist Ballendat nur ein Student von vielen, der derzeit seinen Masterabschluss in Maschinenbau an der Hochschule München vorbereitet. Gleichzeitig aber auch Gründer und Unternehmer. Mit klappbaren Elektroeinachsern aus ultraleichtem Carbon - eine radikale Weiterentwicklung der Segways - will UrbOs fünfköpfiges Team die Fortbewegung in den Metropolen der Welt bereichern.

Firmensitz ist der Inkubator des Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE). Im Foyer steht ein halbes Dutzend Rennwagen der Formula Student, die im vergangenen Jahr an dem Wettbewerb des Ingenieurverbands VDI teilgenommen haben. Im ersten Stock des lang gestreckten Backsteinbaus reihen sich die Entwicklungslabors von einem Dutzend Start-ups aus Medizintechnik, Energiedienstleistung und anderen innovativen Branchen aneinander.

Start-up-Starter
Deutschlands erfolgreichste Gründerhochschulen
Große Hochschulen
1. Hochschule München/TU München
2. Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
3. Universität Potsdam
Mittelgroße Hochschulen
1. Leuphana Lüneburg
2. Uni Oldenburg
3. TU Kaiserslautern
Kleine Hochschulen
1. Handelshochschule Leipzig
2. WHU-Otto Beisheim School of Management
3. Private Hochschule Göttingen

Quelle: Stifterverband, "Gründungsradar 2016"

Das SCE, benannt nach seinem Stifter, dem Wagniskapitalgeber, Business-Angel und Serien-Entrepreneur Falk Strascheg, gehört zur Speerspitze einer Bewegung, mit der sich die deutsche Academia aus der Theorielastigkeit herauskatapultieren will. Das SCE ist der Hochschule München angeschlossen, die im aktuellen Gründungsradar des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft einen ersten Platz belegt.

Rund 6400 Gründungsprojekte haben Deutschlands Professoren nach Erkenntnissen des Stifterverbands 2016 betreut. Über 1600 Unternehmen sind daraus entstanden, davon 566 Kapitalgesellschaften und fast 200 Firmen mit eigenen Patenten.

Nicht nur die bloßen Zahlen überraschen. Unter den aktuellen Preisträgern des Gründungsradars sind neben bekannten Namen wie dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) oder der TU München, deren Start-up-Zentrum schon die Brainlab AG, Bionade, Celonis und zahlreiche andere Überflieger hervorgebracht hat, auch Provinzuniversitäten.

Dazu gehören die in Paderborn, die Leuphana in Lüneburg oder die kleine Handelshochschule Leipzig (HHL). Mit diesem Erfolg hatte kaum einer gerechnet, weil die Gründungsförderung deutscher Hochschulen bis vor wenigen Jahren meist dilettantisch, thematisch abseitig und ökonomisch irrelevant war.

Das hat sich geändert. Neben Forschung und Lehre fördert die heimische Wissenschaft inzwischen auch das Gründen von Start-ups und sorgt damit für eine Modernisierung der Unternehmenslandschaft, die das neue, digitalere Deutschland dringend braucht. Doch können deutsche Hochschulen mit den großen Vorbildern aus Stanford und Boston wirklich mithalten?

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