Sonntag, 19. November 2017

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Start-up-Zentren nach US-Vorbild Was die Gründerzentren deutscher Hochschulen taugen

Zentrum für deutsche Gründer: das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

4. Teil: Im Spinlab riecht's nach Öl

Sechs zwei- bis vierköpfige Teams werden für jede Spinlab-"Klasse" ausgewählt. Alle Mitglieder beziehen gemeinsam ein 800 Quadratmeter großes Büroloft, in dem es immer noch leicht nach dem Öl riecht, das früher die Maschinen schmierte, die hier spannen. Heute ist es still, zu hören ist nur das Klackern der Computertastaturen jener Gründer, die gerade arbeiten.

Nadim Iraki, ein sächselnder Manager, baut momentan als CFO das Unternehmen Crowdheroes auf. Die Onlineplattform, erst vor Kurzem live gestellt, will die Assekuranzbranche durchrütteln. Privatpersonen sollen ihre Versicherungen für rund die Hälfte der bisher veranschlagten Prämien abschließen können.

Sechs Monate lang sollen die Start-ups jeder Klasse ihre Geschäftsidee im Leipziger Spinlab weiterentwickeln. In dieser Zeit zahlen sie keine Miete, werden gecoacht von HHL-Professoren und Business-Angels, von Anwälten und Steuerexperten beraten, kommen in Kontakt mit Wagniskapitalgebern und Private Equity. Das Spinlab verlangt weder Vermittlungshonorare noch Anteile an den Firmen, die aus dieser Förderung entstehen.

Von Unternehmensseite halten Porsche Börsen-Chart zeigen und die Postbank Börsen-Chart zeigen die intensivsten Kontakte zu den Spinlab-Insassen. Darüber hinaus sponsern Dell Börsen-Chart zeigen, KPMG, die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und ein Dutzend weiterer Firmen den Inkubator. Die Stadt Leipzig zahlt eine Starthilfe von 6000 Euro je Team.

Nach sechs Monaten endet das Förderprogramm, die Teilnehmer müssen wieder ausziehen aus dem Inkubator der HHL, der offiziell als "Accelerator" firmiert.

Wer nach dem halben Jahr noch nicht reif ist für einen Umzug in Büros, Werkstätten oder Labors auf dem freien Markt, der findet in der direkten Nachbarschaft des Spinlab günstige Arbeitsräume. Sensape etwa hat seinen Geschäftssitz in demselben Stockwerk wie der Accelerator. Mithilfe künstlicher Intelligenz entwickelt das 15-köpfige Team dialogfähige Bildschirmsäulen, die etwa in Supermärkten für individuell adaptierte Werbung eingesetzt werden können.

Die Bilanz des Spinlabs: Rund drei Jahre nach Eröffnung des Accelerators sind von 24 Unternehmen, die in der Vergangenheit dort gefördert wurden, noch 21 aktiv. Immerhin.

Allerdings sind es kleine bis sehr kleine Firmen, die insgesamt kaum über 100 neue Arbeitsplätze geschaffen haben. Auch für Wagniskapitalgeber sind die Uni-Start-ups in der Regel noch nicht interessant. Die wenigsten Gründer sind schon so weit, dass sie Geld der Profis für ihre Projekte einwerben könnten. Das gilt für die HHL genauso wie für die Leuphana oder auch die Hochschule München.

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Garagenfirmen also, wie sie der Münchener Felix Ballendat betreibt, werden gerade in Serie gegründet. Ein Apple oder ein Hewlett-Packard, das daraus entstehen könnte, ist allerdings weit und breit noch nicht zu sehen.

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