Sonntag, 19. November 2017

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Start-up-Zentren nach US-Vorbild Was die Gründerzentren deutscher Hochschulen taugen

Zentrum für deutsche Gründer: das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

3. Teil: Gründer und Weltverbesserer

Die erfolgreichsten Firmen aus dem Lüneburger Inkubator stehen in der pädagogisch-sozialwissenschaftlichen Tradition der Hochschule: Lemonaid, im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Aufsteiger ausgezeichnet, will "trinkend die Welt verändern", wie es auf der Website fröhlich heißt.

Die Hersteller von Brause aus biologisch angebauten Zutaten spenden fünf Cent je Flasche für Entwicklungshilfeprojekte - ein Bestseller in den Cafés aller Coworking Spaces und Hightech-Hubs der Republik. Inzwischen sind 1,2 Millionen Euro Hilfsgelder zusammengekommen. Immerhin 70 Beschäftigte hat Lemonaid inzwischen und vermeldet einen Umsatz von zuletzt zehn Millionen Euro.

Die Lüneburger Mela Wear vertreibt fair gehandelte und ökologisch produzierte Baumwollkleidung und Accessoires. Das Unternehmen setze jährlich über eine Million Euro um, so Mentor Reihlen.

An der Leuphana kümmern sich sechs Professoren gezielt um Entrepreneurship, insgesamt befassen sich 30 Hochschullehrer mit dem Thema. Das Förderprogramm für die Unternehmensgründung kostet die Uni jährlich 500.000 Euro; insgesamt gibt sie pro Jahr drei bis vier Millionen Euro aus, um Start-ups über die Rampe zu bringen - rund 3 Prozent ihres Gesamtbudgets.

Die elitäre HHL tut sich als Privatuni da deutlich leichter: Sie setzt nur wenig öffentliche Gelder für Projekte ein, muss die Gründerförderung vor keinem Ministerium, keinem Steuerzahler rechtfertigen. Ihr Spinlab, wie der Inkubator auf dem mondän abgerockten Kunst-Campus der ehemaligen Baumwollspinnerei Leipzig heißt, dürfte das schickste Gründerzentrum der Republik sein. Und vom Konzept her auch das radikalste.

Für eine "Klasse" im Spinlab können sich Gründer aus aller Welt bewerben. Sie müssen keinen fertigen Businessplan vorlegen, keine förmliche Bindung zur HHL haben; ihr Unternehmen braucht keine gesellschaftsrechtliche Form, muss nirgendwo eingetragen sein. Allein die Originalität der zugrunde liegenden Geschäftsidee zählt. Die wird bewertet von einer Jury, zu der auch ein erfolgreicher Manager und Unternehmensgründer gehört und ein Spezialist für Wagniskapital, aber auch ein Paradiesvogel wie Stargalerist Gerd Harry "Judy" Lybke, der das Spinlab ursprünglich mitinitiiert hat.

© manager magazin 9/2017
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