Donnerstag, 21. Februar 2019

Drohender Crash Die Spielsüchtigen - Geldhäuser zocken wieder

Finanzmärkte: Die Geldhäuser zocken wieder
DPA

Die Krise ist vergessen, die Geldhäuser zocken wie eh und je. Schon geht die Angst vor einem neuen Crash an den Finanzmärkten um.

Die oberste Etage der ehemaligen Europa-Zentrale von Lehman Brothers Börsen-Chart zeigenversucht alles, um Besucher zu beeindrucken. Der Blick aus dem 31. Stock geht weit über Londons neues Bankenviertel Canary Wharf hinaus. Sorgsam zusammengestellte Kunst verschiedener Epochen schmückt die Wände, im Flur prangt ein in Stein gemeißelter "Royal Warrant", das Wappen der Hoflieferanten britischer Könige.

Nichts an der formvollendeten Szenerie deutet darauf hin, dass hier die spektakulärste Bankenpleite der jüngeren Geschichte ihren Lauf nahm. Längst hat das Hochhaus, aus dem vor fünf Jahren die Angestellten der havarierten Investmentbank ihre Habseligkeiten in Pappkartons herausschleppten, den Besitzer gewechselt. Seit Mitte 2012 residiert in dem dunklen Glasturm die Europa-Zentrale des New Yorker Finanzriesen JPMorgan Börsen-Chart zeigen .

9000 Finanzprofis haben die Amerikaner hier versammelt. Stefan Povaly ist einer von ihnen. Der Österreicher - dunkler Anzug, dezente Krawatte, eloquenter Auftritt - leitet bei J. P. Morgan das Geschäft mit hochverzinslichen Unternehmensanleihen und Krediten im deutschsprachigen Raum. Ein ebenso komplexes wie riskantes Business, das über lange Zeit allenfalls spezialisierten Großinvestoren ein Begriff war.

In den vergangenen Monaten hingegen ist Povaly bei J. P. Morgan zu einem Star avanciert. Was daran liegt, dass ihm Anleger seine hochspekulativen Papiere regelrecht aus den Händen reißen. Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen stürzen sich auf die einstmals exotischen Zertifikate.

© manager magazin 1/2014
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