Sonntag, 16. Dezember 2018

Drohender Crash Die Spielsüchtigen - Geldhäuser zocken wieder

Finanzmärkte: Die Geldhäuser zocken wieder
DPA

5. Teil: Risiken werden durchgereicht

Als neues Zockersegment haben sich die Trader offenbar den Markt für Unternehmensfinanzierungen ausgeguckt. Die Gier nach einem Zins über der Nulllinie hat die Sitten des ohnehin rauen Geschäfts vollends verdorben. Vor allem Finanzinvestoren bedienen sich nach Kräften. So musste sich etwa die Oberhausener Chemiefirma Oxea im Juni gleich mit mehreren Großkrediten im Gesamtvolumen von über einer Milliarde Euro verschulden.

Genutzt wurde das Megadarlehen, um dem damaligen Oxea-Eigentümer, der US-Beteiligungsfirma Advent, eine satte Extradividende von 500 Millionen Euro auszuschütten. Vier Monate später verkaufte Advent das nunmehr hoch verschuldete Chemieunternehmen für 1,8 Milliarden Euro an die staatliche Ölfirma des Sultanats Oman.

Auch bei der Übernahme der Parfümeriekette Douglas zeigten die in Boston ansässigen Advent-Manager wenig Skrupel. Ein Anfang 2013 aufgenommener Großkredit zur Finanzierung des Deals wurde schon nach wenigen Monaten wieder abgelöst. Das mit 5,5 Prozent verzinste Papier war den Private-Equity-Granden schlicht zu teuer geworden.

Für das neue Darlehen zahlen sie nur noch 4,5 Prozent. Interessenten, die bereit waren, das gleiche Risiko für weniger Rendite zu finanzieren, gab es zuhauf. Wer sich darauf nicht einlassen wollte, wurde vorzeitig ausbezahlt und durch einen anderen Anleger ersetzt.

Comeback toxischer Anlagen

Chancen, sich gegen eine solche Behandlung zu wehren, haben Investoren kaum. Ähnlich wie vor Ausbruch der letzten Krise sind auch heute viele Finanzprodukte wieder "Covenant light"-Konstruktionen, bei denen die Rechte der Anleger empfindlich beschnitten werden. Gläubiger haben bei solchen Papieren keinen Einblick in Kennzahlen wie etwa den Verschuldungsgrad, sie können im Notfall nicht einschreiten.

Das Risiko, dass ein derart aggressiv gepreister Großkredit implodiert, tragen sie trotzdem zumeist allein. Denn die großen Investmenthäuser J. P. Morgan, Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen oder Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, die solche Deals organisieren, halten die Papiere meist nur ein paar Tage auf ihren Büchern. Dann reichen sie die gefährliche Ladung an Investoren weiter.

Dieses Durchleiten von Risiken - eine Technik, die maßgeblich zum Ausbruch der jüngsten Finanzkrise beitrug - ist allerorten wieder en vogue. Mittels sogenannter Collateralized Loan Obligations (CLOs) werden die Ausfallrisiken verschiedener Großkredite zusammengefasst und an Investoren außerhalb des Bankensektors abgeschoben. Das weltweite Emissionsvolumen der hochkomplexen Papiere hat 2013 die 50-Milliarden-Dollar-Marke überschritten. 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, waren es knapp 90 Milliarden Dollar.

Die Risiken solch toxischer Anlagen landen keineswegs nur bei Hedgefonds und anderen Finanzakrobaten. Auch vermeintlich konservative Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen investieren mehr und mehr in die Hochzinspapiere, um überhaupt noch eine halbwegs ansehnliche Rendite ihres verwalteten Vermögen vorzeigen zu können.

© manager magazin 1/2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH