Dienstag, 22. Mai 2018

Große Visionen, turmhohe Schulden Digitaler Samurai - wie Masayoshi Son Softbank aufbläst

Softbank: Der digitale Samurai
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Yasuyuki Takagi für manager magazin

Gründer Masayoshi Son bläst seinen Telekommunikationskonzern zu einem Techimperium auf. Kann es der Japaner wirklich mit dem Silicon Valley aufnehmen?

Die folgende Geschichte stammt aus der Januar-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende Dezember erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Es war ein Mittagessen im türkischen Marmaris, das für Simon Segars (50) alles ändern sollte. Danach war der Brite um 11,4 Millionen Pfund reicher, und sein Job wurde deutlich einfacher. Der Chef des britischen Chipentwicklers Arm flog an diesem Sonntag im Juli 2016 von seinem Wohnort im Silicon Valley an die türkische Ägäis, um dort einen Mann zu treffen, der per Privatjet aus Tokio kam: Masayoshi Son (60, genannt Masa), Gründer und CEO des japanischen SoftBank-Konzerns. Arms Aufsichtsratsboss Stewart Chambers (61), der in der Türkei Segelurlaub machte, aß ebenfalls mit.

Son bot den beiden Männern 32 Milliarden Dollar für Arm, das als Kronjuwel der britischen Hightechindustrie gilt. Arms Chiptechnologie steckt in Milliarden Smartphones und Elektrogeräten weltweit. Sons Offerte bedeutete einen Aufschlag von 43 Prozent auf den letzten Börsenkurs - plus einem Zusatzpaket für das Gründerteam.

Segars und der Aufsichtsrat fackelten nicht lange, gut zwei Wochen später stand der Deal. "Ein großartiges Geschäft für uns", freut sich Segars bis heute.

Der Arm-Boss, ein schlanker Mann mit wenig Haar, wähnt sich seitdem im Managerhimmel: Er könne nun schneller entscheiden, müsse keine Rücksicht mehr auf nervige Aktionäre nehmen. Son denke sehr langfristig, ins Tagesgeschäft rede er ihm nicht rein. Arms Mannschaft wuchs unter SoftBank um 25 Prozent.

Sons Einsätze türmen sich hoch wie der Vulkan Fuji

"Masa ist einer der außergewöhnlichsten Menschen, die ich kenne", sagt Segars. Tatsächlich hat sich Son den Ruf eines genialen Investors und Unternehmers erarbeitet. Mitstreiter behaupten, er könne "in die Zukunft sehen". Selbst Telekom-Boss Timotheus Höttges (54) war nach den gescheiterten und für ihn frustrierenden Fusionsverhandlungen zwischen T-Mobile US und Sons US-Mobilfunker Sprint voll des Lobes. Die "Freundschaft" mit dem Japaner will sich Höttges unbedingt erhalten.

Sons Einsätze türmen sich mittlerweile hoch wie der Vulkan Fuji vor den Toren Tokios. Neben Arm kaufte SoftBank 2013 nicht nur für 22 Milliarden Dollar die Mehrheit an Sprint Börsen-Chart zeigen , sondern im Jahr davor auch den französischen Roboterhersteller Aldebaran. 2017 investierte Masa 5 Milliarden Dollar in den chinesischen Taxidienst Didi. Und das sind nur die großen Brocken. Zuletzt machte SoftBank mit einer geplanten Milliardenbeteiligung am Fahrtenvermittler Uber Schlagzeilen.

Sons SoftBank Group ist einzigartig, er machte aus dem Softwarehändler erst einen Telekommunikationskonzern, nun wird er zu einem Techkonglomerat mit Weltgeltung ausgebaut. Der Gründer stieg zum reichsten Mann Japans auf (Vermögen: 23 Milliarden US-Dollar). In seiner Heimat wird er als nationale Version von Steve Jobs verehrt. Selbst in den USA feiern sie ihn als Guru, weil er das Zusammenspiel von Robotik, künstlicher Intelligenz und Mobilfunk wie kein Zweiter begreife. SoftBank ist einer der wenigen Konzerne, die dem Silicon Valley noch Paroli bieten.

Einer der am höchsten verschuldeten Konzerne Japans

2017 verging kaum ein Monat, in dem Sons Unternehmen keine neue Beteiligung verkündeten. Um seine Feuerkraft zu erhöhen, legte SoftBank den 100 Milliarden Dollar schweren "Vision Fund" auf, den größten Technologiefonds der Welt (siehe Grafik). Als Geldgeber mit dabei: Apple sowie das saudische Königshaus. Ob Uber, in das er gerade 10 Milliarden Dollar pumpt, das Büroimmobilien-Start-up WeWork (4,4 Milliarden) oder der Bürochat Slack (250 Millionen) - Son greift nach den Filetstücken der Digitalwirtschaft.

Die Kehrseite dieser kreativen Unternehmensführung: SoftBank ist einer der am höchsten verschuldeten Konzerne Japans, gut 133 Milliarden Dollar drücken auf die Bilanz. Die vielen spekulativen Einsätze, fürchten Analysten, könnten SoftBank noch über den Kopf wachsen.

Sons Glaube an die Synergien zwischen seinem Japan-Geschäft, Sprint und Arm in einer total vernetzten Welt des Internets der Dinge klingen fabelhaft. Dass der Kapitalhahn offen bleibt, hat er vor allem seinen Erfolgen der Vergangenheit zu verdanken. SoftBank ist die wohl kühnste, zumindest aber komplexeste Wette der Techindustrie.

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