Dienstag, 22. Mai 2018

Sotheby's-Deutschland-Chef verrät seine Tricks Die besten Eisbrecher beim Small Talk

Small Talk - das Wort sagt es eigentlich schon: eine kleine, leichte Konversation. Dramatische Krankengeschichten, Monologe über den Sinn des Lebens, eitle Selbstdarstellung oder bohrende Fragen über politische Einstellungen sind tabu. Ich beginne bei einem gesetzten Essen gern während der Vorspeise die Konversation mit der Tischdame zur Rechten, während des Hauptgangs wechsle ich zur Linken, bei der Nachspeise binde ich die Gäste gegenüber ein. Falls die beiden zu meinen Seiten mir unbekannt sind, taste ich mich langsam vor.

Heinrich Graf von Spreti ist Präsident von Sotheby's Deutschland - hier schreibt er über seine Small-Talk-Tricks.

Wichtig ist: zuhören. Oft beginne ich mit der Frage "Wenn Sie jetzt nicht hier wären, was würden Sie dann machen?" Ein verlässlicher Eisbrecher. Ski fahren, Drachenfliegen, Rolling-Stones-Konzert, Seereise, mit den Kindern in den Zoo gehen - schon läuft das Gespräch.

Alternativ bietet sich die Frage an, wie man den Gastgeber kennengelernt hat. So kommt eins zum anderen, und man befindet sich inmitten einer vielleicht amüsanten Konversation. Gewiss macht es mir mein Beruf einfacher. Ich bin eben kein Wissenschaftler mit Schwerpunkt Quantenmechanik oder plancksches Strahlungsgesetz, mein Insiderwissen über den Kunstmarkt taugt da schon eher als Input für ein spannendes Gespräch.

Oft beginne ich mit der Frage: Wenn Sie jetzt nicht hier wären, was würden Sie dann machen? Ein verlässlicher Eisbrecher."

Kommt meine Tischdame zu spät, wird sie zunächst ignoriert: Ich frage keinesfalls nach dem Grund der Verspätung, denn natürlich möchte die Geschichte mit der gesamten Runde geteilt werden. Also setze ich erst mal meine bis dato geführte Plauderei fort.

Lesen Sie auch: So werden Sie ein guter Zuhörer

Komplimente wirken immer als Initialzündung für einen erfolgreichen Small Talk. Mit einer Einstiegsfrage dagegen sollte man vorsichtig sein: Ich kenne jemanden mit Ihrem Namen. Sind Sie verwandt? Im schlimmsten Fall kommt dann gepresst als Antwort: der Ex, der ungeliebte Onkel oder das schwarze Schaf der Familie. Das Thema will dann erst mal wieder gewechselt werden.

An dieser Stelle schreiben Menschen mit Stil über Fragen des guten Geschmacks. Diesmal Heinrich Graf von Spreti (64), Präsident von Sotheby's Deutschland.

© manager magazin 2/2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH