Sonntag, 30. April 2017

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Haniel Schwere Schlagseite beim Familienkonzern

Haniel: Missmanagement hat Haniel heruntergewirtschaftet
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DPA

Haniel galt einst als Inbegriff des gesunden Familienunternehmens. Jetzt aber droht die Familienfirma an ihren Investments, ihren Dogmen und ihrem Clanchef zu Grunde zu gehen.

Duisburg - Zuweilen wird bei Haniel noch wehmütig von der "Diana" gesprochen. Einer einstmals firmeneigenen Segeljacht, mit der gute Kunden des Konzerns von Mallorca aus auf dem Mittelmeer herumgeschippert wurden. Auch Mitarbeiter des Unternehmens konnten das Boot nutzen.

Es war eine der ersten Amtshandlungen des Anfang 2010 angetretenen Haniel-Chefs Jürgen Kluge (59), den Freunden maritimer Lustreisen diesen Spaß zu verderben. Er befand, ein konzerneigenes Vergnügungsschiff passe nicht zu Zeitgeist und Compliance. Die Jacht wurde zum Buchwert von 800.000 Euro an den Skipper verkauft. Da der jedoch den Kaufpreis nicht aufbringen konnte, lieh ihm eine Firma der Haniel-Tochter Celesio Börsen-Chart zeigen den Betrag. Ihm wurde darüber hinaus die Auslastung des Boots garantiert.

Kluges Nachfolger Stephan Gemkow (53), seit August 2012 im Amt, will die "Diana" offenbar endgültig aus den Büchern haben. Das Darlehen wurde fällig gestellt; zudem wurde dem Skipper mitgeteilt, dass es von 2014 an keine vom Konzern bezahlten Segeltörns mehr geben werde. Der Seemann muss sich nun entweder einen neuen Kreditgeber oder einen Käufer suchen. Fragen von manager magazin zu dem Vorgang wollte Haniel nicht beantworten. Es hieß lediglich pauschal, die "Vermutungen" von mm lägen "gänzlich daneben".

Dabei würde die Darlehenskündigung nahtlos in Gemkows Entschuldungsprogramm passen - auch wenn sich der Schiffskredit angesichts der von Haniel aufgehäuften Milliardenverbindlichkeiten wie ein Kleckerbetrag ausnimmt.

Metro-Fiasko nur ein Teil des Desasters

Das Metro-Fiasko ist nur ein Teil des Haniel-Desasters, wenngleich der größte. Zu verantworten hat die Misere vor allem Familienoberhaupt Franz Markus Haniel. Binnen zehn Jahren, seitdem FMH dem Clan vorsteht, hat sich das Familienvermögen etwa halbiert. Haniel führte zwar in dieser Zeit nur den Aufsichtsrat; er war es jedoch, der die Vorstandschefs - vier in dieser Periode - aussuchte und deren Entscheidungen aktiv mittrug.

Der Konzern steht so schlecht da wie nie zuvor. Ein gewaltiges Klumpenrisiko stellt die heute 30-prozentige Beteiligung an Metro Börsen-Chart zeigen dar - einem Handelsunternehmen, dessen Sparten fast komplett Sanierungsfälle sind; zudem belastet ein absurder Gesellschafterstreit bei der Tochter Media-Saturn den Aktienkurs. Metro flog sogar aus dem Dax 30.

Ihr zweitgrößtes Investment, ein 50-Prozent-Paket am Pharmagroßhändler Celesio Börsen-Chart zeigen , macht den Haniels auch keine Freude; die Sanierung stockt, Celesio-Chef Markus Pinger musste gehen.

Was im Haniel-Portfolio ordentlich läuft, sind der Wäscheverleiher CWS-Boco, die Recyclingfirma ELG und der Büromöbelversender Takkt - allerdings sind sie vom Umsatz her weit unbedeutender als Metro und Celesio (siehe Grafik "Ballast Metro") .

Für den Einstieg des Konzerns in neue Märkte fehlt angesichts einer Verschuldung von immer noch zwei Milliarden Euro das Geld. Und das Dogma, keine externen Gesellschafter aufzunehmen, verknappt das Eigenkapital. Von den Eignern ist nichts zu erwarten, vielmehr sind etliche darauf angewiesen, sich von der Firma alimentieren zu lassen.

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