Freitag, 25. Mai 2018

Krisensymptome beim Familienkonzern Welkende Träume - wie Schaeffler seine Zukunft riskiert

Schaeffler: Welkende Träume
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picture alliance / dpa

Der Familienkonzern verliert seine Ausnahmestellung. Vorstandschef Rosenfeld tut sich schwer mit dem Elektrozeitalter. Sein Nimbus schwindet.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 3/2017 des manager magazins, die Ende Februar erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Klaus Rosenfeld (50), Vorstandsvorsitzender der Schaeffler AG, hatte eine Überraschung für die Matriarchin vorbereitet: Die Herzogenauracher Pfarrkirche St. Magdalena war an diesem letzten Sonntagabend im November prall gefüllt, die Schaeffler-Big-Band spielte auf, als Rosenfeld die Bühne betrat. Auf der Geige glänzte er mit einem (wie Ohrenzeugen berichten) virtuos gespielten Stück von Vivaldi. Doch der musikalische Vortrag des "David Garrett der Schaeffler-Gruppe" (Big-Band-Impresario Peter Wirkner) verfehlte seine Wirkung.

Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann (75), Miteigentümerin des fränkischen Zulieferers und eigentliche Adressatin des Geigensolos, war an diesem Abend in keiner guten Verfassung. Sie hatte schon Verspätung, als sie in St. Magdalena eintraf, und musste von ihren Begleitern in die Kirche geführt werden.

Der Grund dafür war ein unerwarteter Anruf. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (52; CSU) hatte sich vor dem Konzert gemeldet - und Schaeffler eröffnet, dass man sie für die Festveranstaltung am Montag in München leider wieder ausladen müsse. Dort hätte sie die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft erhalten sollen, eine der höchsten Ehrungen des Freistaats. Die wurde bereits ihrem verstorbenen ersten Ehemann Georg Schaeffler zuteil.

Die Ministerin begründete die Absage mit den aktuellen Plänen des Schaeffler-Vorstands, die Kugellagerproduktion im fränkischen Elfershausen ins Ausland zu verlagern und das Werk mit 280 Mitarbeitern stillzulegen - was wohl ein Bruch der bis 2020 vereinbarten Standortsicherung wäre.

Für das aufkommende Elektrozeitalter scheint Schaeffler nicht gerüstet

Da konnte Rosenfeld noch so virtuos geigen, die Matriarchin war untröstlich. Rosenfeld, der von sich einmal sagte, er habe in seinem Berufsleben "immer viel Glück gehabt", scheint gerade eine Pechsträhne zu haben.

Es läuft nicht mehr rund bei dem Glückskind, weder im Geschäft noch mit den Eignern Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg (52).

Der Familienkonzern, lange bewundert für seine hohe Profitabilität und Wachstumskraft, macht langsam schlapp. Die Gewinnmarge stagniert, das Unternehmen verliert in Teilsegmenten sogar Marktanteile. "Schaefflers organisches Wachstum ist im Autozuliefer- und im Industriegeschäft schwächer als das der Konkurrenz", sagt J.-P.-Morgan-Analyst José Asumendi.

Schaefflers Industriezuliefersparte schrumpft schon seit zwei Jahren. Die operative Marge hat sich seit Beginn des Jahrzehnts sogar mehr als halbiert: auf 7,6 Prozent. Die Performance ist so schlecht wie zuletzt im Weltwirtschaftskrisenjahr 2009. Besserung ist trotz aller Gelöbnisse Rosenfelds nicht in Sicht.

Das Autozuliefergeschäft, das drei Viertel zum Umsatz der Gruppe beisteuert, wächst zwar profitabel weiter, hat aber spürbar an Dynamik eingebüßt.

Für das aufkommende Elektrozeitalter scheint Schaeffler nicht gerüstet. Das Angebot ist dünn und umfasst vor allem Produkte, die längst auch Wettbewerber im Sortiment haben. Ein besorgniserregender Zustand. Denn die Hälfte der Konzernerlöse von 13,3 Milliarden Euro und zwei Drittel der Autosparte hängen bei Schaeffler direkt am Verbrennungsmotor - mehr als bei jedem anderen Zulieferer dieser Größe.

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