Dienstag, 11. Dezember 2018

Hochschulen Elitenkollaps - private Unis im freien Fall

Deutsches Harvard: Hochmut, Skandale, Geldnot
Jacobs University Bremen

2. Teil: Vielen Kaderschmieden droht der Kollaps

So stehen viele der Möchtegern-Eliteanstalten mittlerweile vor dem Kollaps oder sind auf dem besten Weg dorthin: Die European Business School (EBS), einst als Kaderschmiede für die Führungskräfte internationaler Topkonzerne gegründet, ächzt seit Jahren unter staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, Millionendefiziten und Skandalen. Der Ruf ist ramponiert.

Oder die Berliner Humboldt-Viadrina School of Governance, für die Präsidentin Gesine Schwan im März Insolvenz anmelden musste. Auch die Universität Witten/Herdecke musste sich schon mehrmals retten lassen.

Der "Finanzierungsmix" der privaten Forschungsunis stimme einfach nicht, sagt Frank Ziegele, Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). "Mit Studiengebühren lässt sich nur ein Bruchteil der Kosten decken." Aber auch Spenden, Drittmittel oder Einnahmen aus Weiterbildungsangeboten würden hierzulande für eine solide Finanzierung kaum reichen.

Auch Harvard braucht Zeit - und viele Spenden

Den privaten "Elite"-Unis, die Doktortitel vergeben wollen und deshalb teuer forschen müssen, fehle dafür ein solider Kapitalstock. Auch weil der Aufbau eines Pools vermögender Alumni viel Zeit braucht - selbst Harvard konnte nicht vom Stand weg über Milliarden verfügen. Auf Großspenden der Ehemaligen - in den USA durchaus üblich - hofften die meisten bislang vergebens: "In Deutschland hat noch nie jemand sein gesamtes Vermögen einer Uni vermacht", sagt Ziegele.

Besonders für viele private Business Schools sind die steten Verluste längst zum Imageproblem geworden. Sie wollen eine Managerelite ausbilden, können selbst aber nicht mit Geld umgehen.

In großer Not befand sich zwischenzeitlich die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. 2010 musste das "Harvard an der Spree" seine Finanziers zu Hilfe rufen: Zu den bei der Gründung 2002 eingeworbenen 65 Millionen Euro, gestiftet von deutschen Konzernen, kamen weitere rund 60 Millionen hinzu. Seither können die Berliner um Hochschulpräsident Jörg Rocholl in Ruhe arbeiten - für ein paar Jahre zumindest.

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