Samstag, 23. September 2017

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Designer Philipp Plein über Ego und Protz "Meine erste Million habe ich mit 24 gemacht, mit Hundebetten aus Krokoleder"

Philipp Plein: Mode für Neureiche
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DPA

Deutschlands derzeit erfolgreichster Modedesigner über Ego als Ersatz für Geld und das Geschäftsmodell Protz.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 7/2017 des manager magazins, die Ende Juni erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Als die Hüllen fallen, röhren Guns 'n' Roses aus dem Lautsprecher. Die Sonne über den Hügeln von Cannes brennt auf der Haut. Nieten, Totenköpfe, Dollar-Noten: Philipp Plein (39) zeigt seine neue Zwischenkollektion, und zwar in seiner Wochenendvilla. Models schreiten am Pool entlang, Paris Hilton gewährt tiefe Einblicke.

Der einstige Jurastudent Plein aus München ist gegenwärtig der erfolgreichste deutsche Modeschöpfer mit eigener Marke - und polarisiert wie kein anderer. Für die einen ist er der junge Cavalli, die anderen nennen ihn Philipp P(l)einlich. Plein lässt das kalt, während die Modebranche leidet, wächst sein Unternehmen rasant. Sein Domizil in Cannes trägt den Namen "Dschungel des Königs", auf dem Weg zu seinen Gemächern steht in glitzernden Lettern an der Wand: "Kiss me like you love me! Fuck me like you hate me!" Am nächsten Mittag sitzt der König barfuß mit beständig zappelnden Zehen auf der Terrasse, trägt ein weißes T-Shirt zur grauen Jogginghose und redet sich in Rage.

manager magazin: Herr Plein, sind Sie ein Prolet oder ein Genie?

Philipp Plein: Weder noch. Ich bin ein Macher.

mm: Die "New York Times" nennt Sie den "King of Bling", die Konkurrenz hält Sie für ein Großmaul, das niveaulose Mode für Neureiche macht.

Plein: Früher waren wir klein und wurden nicht beachtet, heute hasst man uns, weil wir so schnell gewachsen sind. Ich habe vergangenes Jahr einen Brief von Dolce & Gabbana bekommen, weil ich 14 Mitarbeiter von denen innerhalb von drei Wochen eingestellt habe. Die haben uns vorgeworfen, ihre Leute zu stehlen. Völliger Nonsens. Die haben sich ausnahmslos beworben.

mm: Was ist bei Ihnen denn so viel besser?

Plein: Philipp Plein ist Luxury Street Couture. Wir sind jung, authentisch und crazy. Andere geben das bloß vor.

mm: Sie sitzen hier auf der Terrasse Ihrer Luxusvilla, die Sie kaum nutzen. In der Einfahrt stehen ein Lamborghini, Rolls-Royce und Bentley. In Bel Air bauen Sie gerade eine weitere Residenz. Für Ihre Shows lassen Sie es regelmäßig krachen, fliegen Musikstars ein, bauen mal eine Achterbahn auf, mal ein ganzes Fitnessstudio. Leise können Sie nicht?

Plein: Wenn Sie vor 100 Leuten stehen, nehmen Sie den wahr, der am lautesten schreit. Niemand hat auf Philipp Plein gewartet. Die Marke hat nur eine Existenzberechtigung, wenn sie zur Kenntnis genommen wird. Wenn ich nicht performe, bin ich morgen nicht mehr hier. Und da wir weniger Geld als große Konglomerate wie LVMH für klassische Werbung haben, müssen wir günstiger auffallen. Wenn ich eine Achterbahn hinstelle, sieht das beeindruckend aus, kostet aber nur 25.000 Euro. Wir sind sehr kosteneffizient ...

mm: ... kennen beim Geschmack aber keine Schmerzgrenze.

Plein: Wir polarisieren, wir kreieren Emotionen. Das kann gut oder schlecht sein, zumindest erzeugen wir Gefühle. Wir verletzen niemanden, klauen keinem etwas, bringen Menschen zum Lachen. Wenn jemand viel Geld für unsere Mode ausgibt, hat er das Gefühl, etwas Gutes für sich zu tun. Was andere über mich denken, kann mir egal sein, solange unsere Kunden an uns glauben. Wir kommen aus dem Nichts. Unsere Konkurrenten sind seit Dekaden hier, wir seit gut zehn Jahren - und der Wettbewerb ist leider nicht fair.

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