Samstag, 15. Dezember 2018

Designer Philipp Plein über Ego und Protz "Meine erste Million habe ich mit 24 gemacht, mit Hundebetten aus Krokoleder"

Philipp Plein: Mode für Neureiche
DPA

4. Teil: "Die Modeindustrie ist total konservativ und viel zu langsam"

mm: Billionaire Couture ist ein Sanierungsfall. Gefährden Sie nicht Ihre Hauptmarke, wenn Sie dort wertvolles Kapital versenken?

Plein: Die Firma war krank, als wir sie 2016 gekauft haben. Der Umsatz lag bei 25 Millionen Euro. Wir mussten Läden schließen, der Verlust betrug 4,7 Millionen Euro. In den ersten Monaten dieses Jahres waren es noch 300.000 Euro. 2017 schaffen wir die Wende.

mm: Steht das Ziel noch, in vier Jahren eine Milliarde Euro umzusetzen?

Plein: Das habe ich nie vorgegeben. Ich lebe nicht vom Umsatz, sondern vom Profit. Wir wollen weiter organisch wachsen, die Umsatzgröße ist für mich kein Maßstab. Wir sind keine IT-Firma, mir geht es nicht wie Jeff Bezos um Marktanteile. Sonst hätte ich längst einen Investor ins Boot geholt oder würde an die Börse gehen.

mm: Planen Sie weitere Zukäufe?

Plein: Derzeit haben wir genug Arbeit.

mm: Ihre Schwester Gloria Dieth war früher bei Ihnen beteiligt und arbeitet nun an der eigenen Modemarke Les Éclaires. Helfen Sie ihr, oder sind sie Rivalen?

Plein: Gloria hat gerade geheiratet, ich habe das Gefühl, dass sie kürzertreten und sich der Familie widmen will.

mm: Ihr Vermögen wird auf 160 Millionen Euro geschätzt. Passt das?

Plein: Ich wäre schon enttäuscht, wenn die Firma nur 160 Millionen Euro wert wäre. Aber glauben Sie mir, privat habe ich nicht so einen Geltungsdrang. Kein Mensch braucht elf Schlafzimmer wie in diesem Haus. Nur: Hier müssen sich Models umziehen, hier wohnen und arbeiten Freunde. In der Schweiz lebe ich bescheidener. Bis vor Kurzem habe ich noch im Büro geschlafen.

mm: Junge Marken sind gefragt. Käme ein Verkauf für Sie infrage?

Plein: Ein Börsengang ist eine Option, aber derzeit kein Thema, da wir kein Geld brauchen. Verkaufen werde ich nicht. Eine Marke aufzubauen ist eine Lebensaufgabe. Ich habe Spaß daran, wenn die Leute neidisch sind ...

mm: ... das sind offenbar auch Ihre Nachbarn. Die haben gestern die Polizei gerufen, als Sie erstmals ihre Resort-Kollektion in einer eigenen Show präsentiert haben.

Plein: Die Leute hier wollen ihre Ruhe. Und sind wenig begeistert, dass ich auch noch das Grundstück nebenan kaufe.

mm: Normalerweise präsentieren nur große Labels wie Chanel oder Dior solche Zwischenkollektionen. Was hat Sie dazu bewogen?

Plein: Das war smart. Wir haben hier in Cannes eine tolle Location, und dank Filmfestival, Amfar-Gala und Formel-1-Grand-Prix ist die Stadt voller Promis. Wir mussten nur den roten Teppich ausrollen und das Licht anmachen. Ein Meilenstein für uns.

mm: Was ist denn so meilensteinig an einer Zwischenkollektion?

Plein: Sie ist wichtiger als die Hauptkollektionen, weil sie viel länger im Handel bleibt. Auf Außenstehende wirkt die Modeindustrie futuristisch und glamourös, dabei ist sie total konservativ und viel zu langsam.

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