Samstag, 15. Dezember 2018

Designer Philipp Plein über Ego und Protz "Meine erste Million habe ich mit 24 gemacht, mit Hundebetten aus Krokoleder"

Philipp Plein: Mode für Neureiche
DPA

2. Teil: "Die etablierten Konzerne schirmen ihren Markt ab"

mm: Warum nicht?

Plein: Es gibt Unternehmen, die dem Handel drohen, keine Ware mehr zu liefern, wenn Philipp Plein nicht aus dem Laden verschwindet. Das ist nicht korrekt. Ich bin kein Opfer, aber warum gibt es so wenige junge Fashion-Brands, obwohl da draußen so viel Talent ist? Die etablierten Konzerne schirmen ihren Markt ab. Das ist in der Modeindustrie nicht anders als in der Autobranche. Der einzige Newcomer in den letzten Jahrzehnten heißt Tesla. Wie lange haben die Etablierten herablassend über Elon Musk gesprochen! Für mich ist er ein Held.

mm: Philipp Plein, der Elon Musk der Modeindustrie. Da hat jemand, auf dessen Unterarm "veni, vidi, vici" prangt, doch noch Vorbilder?

Plein: Es wäre realitätsfremd und traurig, wenn ich mich für den Größten halten würde. Ich habe das große Latinum, weil meine Mutter wollte, dass ich Medizin studiere. Wer in den Krieg zieht, will siegen. Der Leitspruch auf meinem Arm passt also.

mm: Sind Sie im Krieg?

Plein: Mode ist Handel, und Handel ist Immobiliengeschäft. LVMH macht inzwischen mehr Geld mit den Mieten in den Einkaufsmeilen als mit Mode. In diesem Spiel sind wir ein kleiner Fisch, also müssen wir smart sein. Wir müssen sein wie Nemo: farbenfroh, schnell und glücklich.

mm: Und gewieft. Sie haben im Schweizer Tessin ein verschachteltes Firmengeflecht aufgebaut, um Steuern zu sparen und Berichtspflichten zu meiden.

Plein: Natürlich müssen wir Steuern sparen, aber wir sind relativ transparent. Es gibt eine Holding und verschiedene Untergesellschaften für die Marken Philipp Plein, Philipp Plein Sport, Billionaire Couture, dazu kommen Landesgesellschaften, das Handelsgeschäft und eine Immobilienfirma. Wir schieben nichts hin und her und müssen uns vor keinem rechtfertigen.

mm: Sie betreiben rund 100 Läden in den exklusivsten Einkaufsstraßen der Welt - vom Rodeo Drive in L. A. bis zum Corso Venezia in Mailand, angeblich alles ohne Fremdinvestoren und Kredite. Wer's glaubt, wird selig.

Plein: Ist aber so.

mm: Mancher Konkurrent raunt von Geldwäsche.

Plein: Solche Gerüchte kommen immer auf, wenn Menschen neidisch sind.

mm: Sie gelten als Kontrollfreak und zeichnen angeblich jede Rechnung persönlich ab. Einige Mitarbeiter klagen, nur die nötigsten Informationen zu erhalten.

Plein: Weil ich jede Rechnung selbst abzeichne, weiß ich, was die Blumen kosten oder dass schon wieder ein Laptop runtergefallen ist. Wenn ich mich nicht selbst für mein Unternehmen interessiere, wer dann?

mm: Sie haben Ex-Formel-1-Manager Flavio Briatore 2016 die Mehrheit an dessen Herrenlabel Billionaire Couture abgekauft. Es heißt, Briatore habe Ihnen beim Aufbau der Marke Philipp Plein geholfen.

Plein: Das wäre schön. Flavio ist ein gewiefter Geschäftsmann und tut sich wahnsinnig schwer damit, Geld auf den Tisch zu legen. Ich bin Alleineigner einer Firma, die Jahr für Jahr organisch wächst.

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