Dienstag, 17. Oktober 2017

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Alles wird messbar App als Chef - wie Software Mitarbeiter durchleuchtet

Führung: App als Chef
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5. Teil: Kompetenzen, Soft Skills, Zielerreichung - die digitale Intelligenzbestie als Starconsultant

Der von Virginia Rometty geführte ehemalige Hardwaregigant IBM Börsen-Chart zeigen zum Beispiel bringt dafür seinen Champion in künstlicher Intelligenz zum Einsatz. Der Superrechner Watson ist in der Lage, gesprochene Fragen zu verstehen und enorme Mengen an Informationen in Millisekunden zu verknüpfen und als Antwort wieder auszuspucken. Die digitale Intelligenzbestie als Starconsultant.

Hierzulande obliegt es Sven Semet, die Kenexa Talent Suite zu vermarkten, die auf der Watson-Technologie aufbaut. Bei einem großen deutschen Versicherer werde Watsons Leadership-Talent bereits in einer Mitarbeiterbefragung getestet, sagt der IBM-Mann. Es dauert nur einen Wimpernschlag, bis Watson die Antworten auf offen gestellte Fragen analysiert hat. "Wir haben schon mal 36000 Kommentare auf Knopfdruck ausgewertet", sagt Semet stolz.

Gibt es eine Häufung von Krankheitsfällen in bestimmten Abteilungen? Wie gut nutzen die regionalen Vertriebsteams die Promotionmaterialien für das neue Produkt? Wie kommt der neue CEO bei den weiblichen Beschäftigten an, was halten die Männer von ihm? Solche Daten erheben einige Unternehmen heute schon. Watson soll es einfacher machen, Zusammenhänge zu erkennen.

Persönliche Daten oft heute schon einsehbar

Besonderen Charme entfaltet die Big-Data-Technologie aus Sicht von Vorgesetzten, wenn sie die Aktivitäten einzelner Mitarbeiter wie etwa Chats sichtbar macht. Auch wenn hier der Betriebsrat noch ein gewichtiges Wort mitzureden hätte - was technisch geht, wird immer irgendwann ausprobiert, weiß der Stuttgarter Internetexperte und Rechtsanwalt Carsten Ulbricht: "Leistungskontrollen sind nur sicher auszuschließen, indem die Restriktionen von vornherein in die Technologie eingebaut werden."

Kompetenzen, Soft Skills, Zielerreichung - solche persönlichen Daten sind oft heute schon "für die komplette Hierarchielinie" der Vorgesetzten einsehbar, warnt ein Gutachten des Datenschutzjuristen Peter Wedde. Mit den richtigen Apps können Personaler künftig von überall aus in den Profildaten eines Mitarbeiters stöbern - im Zug, im Café oder im eigenen Wohnzimmer.

McKinsey-Berater prognostizieren, dass intelligente Software, die mit unstrukturierten Daten arbeitet und Urteile fällen kann, im Jahr 2025 allein in Deutschland Wertschöpfungsprozesse von umgerechnet 265 Milliarden US-Dollar beeinflussen wird. Die Zukunft werde zeigen, wie stark Unternehmen künstliche Intelligenz einsetzen, um ihr Management zu verbessern und Mitarbeiter optimaler zu führen, sagt Thomas Sattelberger. "Als neues, hochfeudales Steuerungsinstrument oder als Basis für echte demokratische Teilhabe in Unternehmen - beides ist denkbar."

Vorreiter Norbert Teschner vom Automobilzulieferer Saint-Gobain jedenfalls ist von der digitalen Gesundheitsvorsorge mittels Precire-Sprachcheck überzeugt. Er hat den Test selbst absolviert. Und was sein Stresslevel angeht, fühlt er sich voll getroffen.

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