Dienstag, 17. Oktober 2017

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Alles wird messbar App als Chef - wie Software Mitarbeiter durchleuchtet

Führung: App als Chef
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4. Teil: Siegeszug der digitalen Spürnasen

Diese Profile gab Shell an Knack weiter. Die Software hinter Wasabi Waiter analysierte daraufhin das Spielverhalten des verbliebenen Viertels. Die Überraschung: Der Algorithmus konnte korrekt errechnen, wer zum Innovator taugte. Er war also genauso gut wie die Game Changer, nur deutlich fixer.

Sein Tool werde die Dominanz der Ivy-League-Unis brechen, ist Gründer Halfteck überzeugt: "Bislang bekommt niemand an der Wall Street eine Chance, der keine Topuni besucht hat." Mithilfe von Wasabi Waiter kann jeder seine analytischen, strategischen oder sozialen Fähigkeiten unter Beweis stellen und in der Knack-Datenbank hinterlegen lassen. Im neuen Jahr will Halfteck auch direkt mit den Profilen an den Markt gehen, wie eine Personalvermittlung.

Der Gedanke, die Kür eines CEOs könne von dessen Scores in einem schnellen App-Game bestimmt werden, mag gewöhnungsbedürftig sein. Noch.

Superconsultant Watson Denn allzu oft hängt der Erfolg von Menschen ab von Kriterien, die weder mit Intelligenz noch mit Leistungsfähigkeit einhergehen. So ist wissenschaftlich erforscht, dass große Männer erfolgreicher sind als kleine, schöne Frauen eher befördert werden als unattraktive, allerdings nur, solange ihre Brüste nicht zu groß sind. Auch der Umkehrschluss ist belegt: CEOs großer Unternehmen wurden von Probanden eines Versuchs der Fuqua School of Business an der Duke University als "besonders kompetent aussehend" bewertet.

Mitarbeiter per Mausklick finden

Datenschutzexperten wie Markus Morgenroth warnen trotzdem davor, Big Data als die perfekte, weil unbestechliche Lösung zu stilisieren. Morgenroth hat für die amerikanische Firma Cataphora gearbeitet, die inzwischen vor allem für Geheimdienste aktiv ist.

Wo Rechner die Spuren menschlichen Verhaltens auswerten und daraus Wahrscheinlichkeiten errechnen, könne eben auch der falsche Schluss gezogen werden, so Morgenroth: "Ist einer, der sich ständig vertippt, nervös, oder hat er einfach nie einen Schreibmaschinenkurs besucht? Ist ein Nachtarbeiter schlafgestört, oder hat er Kunden in Übersee?" Manchmal kann es sinnvoll sein, einen Posten gegen alle Vernunft der Algorithmen mit einem Querdenker zu besetzen. "Daten können das menschliche Urteil niemals ersetzen, nur ergänzen", sagt Markus Morgenroth.

Hinzu kommt, dass juristisch noch vieles ungeklärt ist. Der Getestete muss wissen, worauf er sich einlässt. Und die erhobenen Daten müssen für die Personalentscheidung "erforderlich" sein, wofür Gerichte die Latte gern sehr hoch legen.

Auf Dauer ist der Siegeszug der digitalen Spürnasen indes nicht aufzuhalten. Dafür sorgen schon Weltkonzerne, die daran tüfteln, Mitarbeiter per Mausklick auffindbar und analysierbar zu machen.

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