Dienstag, 23. Oktober 2018

189 000 Euro via Crowdfunding für Yoga-Kette - aber die Matte bleibt kalt Wurden Kleinanleger von deutschem Ex-Internetstar abgezockt? 

Paulus Neef, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2005.

2. Teil: Nach der großen Euphorie

Die Realität sieht freilich anders aus. Bislang ist in Deutschland kein einziger bedeutender Fall eines Crowd-Investors bekannt, der seinen Einsatz vervielfacht hätte. Stattdessen haben Schwarmanleger binnen weniger Jahre mehr als 30 Pleiten erlebt - unter anderem mit einem Unternehmen, das einen digitalen Stift entwickeln wollte, aber trotz Hunderttausender Euro Crowd-Kapital nur wenige Wochen durchhielt.

Trotzdem ist die Euphorie groß, als Neef im Mai 2015 Unyte vorstellt. Für die Seriosität sollen eine Handvoll renommierter Partner stehen - darunter Patrick Broome, der Yogatrainer der Fußballnationalelf. Das gut zweiminütige Werbevideo ist hochprofessionell, genauso wie die begleitende Social-Media-Kampagne. Binnen weniger Wochen investieren 258 Kleinanleger exakt 188.715 Euro. Das Geld wird Unyte auch termingerecht überwiesen, heißt es bei Companisto.

Und seitdem? Das letzte "Projekt-Update" auf Companisto stammt vom 30. Juni 2015, auch der jüngste mit "Liebe Grüße, Paulus" unterschriebene Eintrag in der Kommentarfunktion ist bald ein Jahr alt. Bei Facebook meldeten sich die Protagonisten zuletzt am 1. Dezember. Das Statement geriet reichlich esoterisch: Man sei dabei, "Unyte weiter Leben einzuhauchen. Die letzten Monate waren eine unglaubliche Reise. Sie hat uns weit gebracht und wir sind in spannenden Verhandlungen mit einem potentiellen globalen Kooperationspartner." Am 13. März antwortet ein User auf den Post mit der Frage: "Gibt's eigentlich neue Infos? Wann eröffnet das erste Studio?" Antwort bekommt er keine.

Glaubt man den Angaben bei Linkedin, dann sind führende Köpfe des Unyte-Teams längst weitergezogen. Die Kreativdirektorin schied bereits im vergangenen Juli aus, der "Director Expansion & Construction" im Dezember. Auch Paulus Neef selbst gibt Unyte inzwischen als "frühere" Berufsstation an, von "Mai 2015 bis Januar 2016 (9 Monate)".

Was mit dem Geld passiert ist, bleibt das große Rätsel. Sämtliche Fragen des manager magazins zu Unyte ließ Neef unbeantwortet.

Den Crowd-Investoren bleibt allenfalls ein schwacher Trost. Die Unternehmensbewertung für Unyte hatte Neef offenbar freihändig auf satte sechs Millionen Euro angesetzt. Heißt: Selbst wenn das Projekt ein Erfolg geworden wäre - die Kleinanleger, von denen das Geld stammte, hätten nur einen verschwindend geringen Anteil am Unternehmen besessen.

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