Montag, 18. Dezember 2017

Neuschwansteiner Das 39-Euro-Luxusbier des Rudolf Scharping

Scharping, Seitz, Knower: Das sind die Bierbuben
Fotos
Günter Stömmer

Eine illustre Investorengruppe will aus einem bayerischen Regionalbier eine globale Luxusmarke machen.

Hamburg - Vor ein paar Wochen hat Christian Seitz (47) in einer Berliner Nobelbar ein Gespräch am Nebentisch belauscht. Dort saß ein junges Paar, wollte was trinken, er ein Bier, sie einen Wein. Der Kellner empfahl eine neue Marke: Neuschwansteiner, ein Edelmärzen, besonderes Brauverfahren, 6 Prozent Alkohol, schmecke toll, rauchig-malzig, und sehe auch noch schön aus, bernsteinfarben.

Aber: Das Gebräu koste 39 Euro. Pro Flasche à 0,75 Liter. "Spinnst du?", fährt sie dazwischen, "das ist doch viel zu teuer." Ihr Freund bestellt enttäuscht etwas anderes. Christian Seitz ist trotzdem glücklich: "Die Begierde ist geschaffen. Die haben sich unterhalten - über Bier!" Sein Bier.

Für Seitz ist das erst mal Bestätigung genug: Er wähnt sich auf dem richtigen Weg. Der Mann ist eigentlich Immobilienunternehmer aus dem Allgäu, aber so richtig groß rauskommen will er mit Bier. Fünf Jahre hat er an seiner Geschäftsidee gearbeitet, seit vergangenem Herbst (dem 20. Oktober, um genau zu sein) gibt es Neuschwansteiner nun endlich zu kaufen, geliefert in einer edlen schwarzen Schachtel, dekoriert mit Schlossmotiv. Die Flasche erinnert an Champagner, bernsteinfarben, versehen mit goldener Münzprägung.

Heft 3/2015
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Der Clou: Das Brauwasser wird durch Alpengestein gefiltert, nach dem Brauen durch einen Bernsteinfilter gepresst, schließlich schockgefroren und dann erst abgefüllt. "Méthode Royale" nennt Seitz das Verfahren. Drunter macht er es nicht.

Bier ist der neue Wein - wohl keiner treibt dieses Motto derart auf die Spitze wie Seitz. Okay, es gibt Craft-Biere für 6,80 Euro die Flasche, wenn es hoch kommt auch mal für 14,90 Euro. Aber 39 Euro?

Und das ist nur der Geizpreis für den deutschen Markt. Da, wo Seitz mit seinem Neuschwansteiner eigentlich Siege feiern will, in Hongkong, Dubai, Moskau (auch wenn Russland gerade schwächelt), da, wo es den Reichen egal ist, ob irgendjemand es obszön findet, für eine einzige Flasche Bier so viel Geld auszugeben wie für ein ganzes Gericht in einem gehobenen Restaurant, da soll die Flasche umgerechnet 85 Euro kosten (Dubai) oder 60 (Hongkong).

Die Marke ist auf diese Märkte ausgelegt. In Asien und Russland, sagt Seitz, könne mit dem Namen Neuschwanstein jeder etwas anfangen. "Im Chinesischen gibt es sogar ein Schriftzeichen dafür."

Seitz glaubt fest an seine Idee - er hat, erzählt er, einen hohen einstelligen Millionenbetrag investiert - und nicht nur er. Es gelang ihm, ein paar illustre Mitinvestoren zu finden. Bei der Frage nach ihnen wird er zwar einsilbig, gibt nur preis, was man sowieso weiß, nämlich wer sein Markenbotschafter ist: Prinz Leopold "Poldi" von Bayern (71), bestens bekannt als früherer Autorennfahrer und, was natürlich noch wichtiger ist, leibhaftiger Nachfahre von Neuschwanstein-Erbauer Ludwig II.

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