Dienstag, 31. Mai 2016

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Vodafone: Die Baustellen im Konzern - und die Chancen durch einen Deal mit Liberty
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DPA

Einst eilte der Mobilfunker der Branche davon. Nun droht Vodafone gar die Zerschlagung, wenn Konzernchef Vittorio Colao nicht bald die Neuerfindung gelingt. Anatomie eines Niedergangs.

Nach Monaten des Zögerns und Anschleichens kam das Freizeichen aus London: Okay, alles klar zur Übernahme. Vittorio Colao (51), Chef des britischen Mobilfunkers Vodafone, hatte sich dazu durchgerungen, den Rivalen Kabel Deutschland Börsen-Chart zeigen zu kaufen. Ende Juni folgte das offizielle Angebot - die Briten bieten 87 Euro je Aktie und damit knapp 11 Milliarden Euro für den Kabel-Anbieter aus Bayern.

Schon 2008 hatte Colao Kabel Deutschland erstmals im Visier. Das Unternehmen war damals ein Bruchteil dessen wert, was es inzwischen an der Börse kostet. Doch Colao fürchtete, von seinen Investoren für den Deal abgestraft zu werden. Nun kommt sein Vorstoß sehr spät - und für Vodafone wird die Übernahme sehr, sehr teuer.

Schon hat Vodafone so viel Vertrauen verloren, dass Zerschlagungsszenarien die Runde machen. Und Großinvestoren fordern offen Colaos Rauswurf, auch angesichts des überteuerten Kabel-Deals in Germany.

Dabei galt Vodafone Börsen-Chart zeigen noch vor einem Jahrzehnt als die Zukunft schlechthin. Die ehemaligen Staatskonzerne Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen oder Telefonica Börsen-Chart zeigen plagten sich mit ihrem angestaubten Festnetzimage und Altlasten herum. Vodafone setzte allein auf den boomenden Mobilfunk - und stieg auf zu einem der aggressivsten Angreifer, den die Geschäftswelt je hervorgebracht hat.

Vodafone: Die "Vereinten Nationen des Mobilfunks"

Der ehemalige Vorstandschef Chris Gent kaufte alle Mobilfunker rund um den Globus auf, die zu bekommen waren. Vodafone, das waren die "Vereinten Nationen des Mobilfunks". Die Übernahmeschlacht um den deutschen Mannesmann-Konzern 2000 geriet mit einem Preis von 190 Milliarden Euro zum teuersten Einkauf aller Zeiten. Gents Nachfolger Arun Sarin erkaufte sich noch 2007 mit rund 8 Milliarden Euro die große Eintrittskarte für Indien.

Doch spätestens mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 2008 kam die Ernüchterung. Die erhofften Synergien entpuppten sich angesichts der über die ganze Welt lose verstreuten Beteiligungen als Wunschdenken. Knapp 70 Milliarden Euro mussten die Briten seit der Jahrtausendwende abschreiben - so viel wie kein anderer in der Industrie.

2008 setzte der Board Colao an die Spitze, einen Italiener mit McKinsey-Vergangenheit. Der damalige Europa-Chef, der zuvor einen Zwischenstopp als CEO beim italienischen Medienkonzern RCS eingelegt hatte, sollte Vodafone die Bodenhaftung zurückgeben.

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