Samstag, 16. Dezember 2017

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Testfahrt im McLaren 570S Spider Nach oben offene Spaßskala

McLaren 570S Spider: Auch als Cabrio eine echte Fahrmaschine
Fotos
McLaren

Ausfahrt
Andreas Chudowski
Michael O. R. Kröher
testet jeden Monat ein anderes Führungs-kraftfahrzeug.

Die Spaßskala ist beim McLaren 570S Spider nach oben offen. Langsam ist nur der Bordcomputer. So ein Roadster ist für einen Supersportwagen eine heikle Variante: Ohne festes Dach braucht es oft zusätzlich stabilisierende Elemente, die bei Tempo 300 und mehr die Kräfte auf die gesamte Karosse verteilen, die Räder auf der Straße und das Auto lenkbar halten. Das erhöht das Gewicht und mindert die Dynamik. Doch viele Fahrer lieben es, die Klänge ihres Motors ungefiltert zu hören. Und so hofft McLaren, mit dem im Sommer vorgestellten 570S Spider bald das große wirtschaftliche Ziel zu erreichen: 4500 Autos im Jahr zu verkaufen.

McLaren 570S Spider
Technik
570 PS
419 kW
249 g/km CO2-Emission
Dynamik
3,2 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
328 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
208.975 Euro

Allerdings hat das Cabrio einen Nachteil gegenüber seinem wohl wichtigsten Wettbewerber, dem offenen Ferrari 488: Sein Achtzylinder-Twinturbo leistet exakt 100 PS weniger. Reicht das noch für das Fahrgefühl eines Supersportwagens?

Ich fahre den Zweisitzer auf den Bergstraßen westlich der Costa Brava und freue mich, dass beim McLaren Fahrwerk und Antriebsstrang unabhängig voneinander regelbar sind. Ich schalte also zunächst nur Motor und Getriebe in den Sportmodus, genieße weiterhin die komfortablere Federung und Dämpfung der Normalstellung. Der Biturbo katapultiert den Achtzylinder im Nullkommanichts weit in verbotene Geschwindigkeitsbereiche. Das Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe reagiert sofort auf jede Änderung im Fahrstil, wechselt die Gänge präzise und ruckfrei. Mit Tempo 100 fahre ich so noch im zweiten Gang, mit 160 im dritten. Dank des weggeklappten Hardtopverdecks dringt der sonore Auspuffsound von gut 7000 Touren jetzt direkt ins Ohr.

Dann schalte ich auch das Fahrwerk in den Sportmodus und registriere das späte Abregeln des ESP am leicht beherrschbaren Übersteuern des wendigen Mittelmotor-Roadsters. Nervig sind nur der langsam arbeitende Bordcomputer und der große tote Winkel hinter den weit nach hinten gezogenen B-Säulen, der von den Außenspiegeln nicht geschlossen wird.

Aber letztlich fehlt mir nichts. Auf kurvigen Landstraßen macht der McLaren mindestens so viel Spaß wie sein etwas feiner gezeichneter Ferrari-Konkurrent. Einen ernsthaften Autobahnvergleich muss ich wegen der in Spanien geltenden Geschwindigkeitsbegrenzung verschieben, mit nur 1400 Touren und Tempo 120 gondle ich zurück nach Barcelona. In der City, wo die Touristenmassen von oben ins Cockpit starren, schließe ich das zweiteilige Verdeck, fahre das Heckfenster runter. Und höre den Sound, ohne gesehen zu werden.

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