Freitag, 23. Februar 2018

Was macht eigentlich Mehmet Dalman?  Vom Commerzbank-Vorstand zum Fußball-Berater

Mehmet Dalman beim Fußballclub Cardiff City
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Mehmet Dalman beim Fußballclub Cardiff City

Der erste Nichtdeutsche im Commerzbank-Vorstand berät heute Oligarchen - auch wenn er dafür Zweitligafußball schauen muss.

Große Welt
Als auch für die Commerzbank noch alles möglich schien: Der damalige Commerzbank-Primus Klaus-Peter Müller (M.) mit seinen beiden Vorstandsjungs Martin Blessing (r.) und eben Mehmet Dalman. Der forsche Brite sollte die Bank mit dem höchsten Geldturm Europas zu einer großen Nummer in Europas Finanzhauptstadt machen. Nach rund drei Jahren trennte man sich, danach wickelte Müller das Investmentbanking ab. Regelmäßige öffentliche Auftritte hat Dalman derzeit vor allem als Boss des walisischen Fußballklubs Cardiff FC.

Bevor Mehmet Dalman (58) von sich selbst erzählt, will er zunächst einmal wissen, wie es seinen alten Freunden in Frankfurt, Germany, so geht: Martin Blessing, damals mit ihm Novize im Commerzbank-Vorstand, ist doch jetzt bei der UBS - ein harter Job, oder? Und was treibt Rolf (Nachname: Breuer) so, damals mit ihm im Aufsichtsrat der Deutschen Börse, als der Hedgefonds TCI so viel Druck aufbaute? Rolf, Mensch, das war immer ein feiner Kerl gewesen.

Eine aufregende Zeit war das für Dalman, als er 2001 in den Vorstand der Commerzbank in Frankfurt aufrückte; als erster Nichtdeutscher und zuständig für das Investmentbanking. "Vorstand" ist das einzige Wort, das der Londoner mit zypriotisch-türkischen Wurzeln immer noch auf Deutsch sagt - und ohne jede Wehmut.

"Klar, wir wurden sehr gut bezahlt. Aber ich habe wirklich sieben Tage die Woche gearbeitet. Den ganzen Mist will ich nicht mehr machen." Stattdessen führt er nun, gern auch mal unrasiert und in Strickjacke, seine Firma WMG, eine Vermögensberatung für Superreiche, von denen man nicht immer genau weiß, woher ihr Geld kommt.

Sein Blick reicht vom dritten Stock auf die Clifford Street, feinste Lage im feinen Londoner Stadtteil Mayfair, hinter ihm die obligatorische Glasfront, hinter der in einem Großraumbüro ein knappes Dutzend Handelstische stehen. Seit seinem Ausstieg bei der Commerzbank im Herbst 2004 - den Frankfurtern wurde das Investmentbanking zu heiß - läuft er als "city veteran" durch London - eine gute Geschäftsbasis.

Keine Skrupel, mit dem Geld von Oligarchen zu arbeiten? Dalman winkt ab. Er nehme nur Kapital, das von einer Großbank auf seine Konten fließe. Die müssten ihre Kunden inzwischen sehr genau röntgen, darauf könne er sich verlassen.

Am meisten Arbeit macht ihm gerade Vincent Tan, einer der reichsten Männer Malaysias. Dalman legt für ihn Geld an, vor allem aber hilft er ihm bei einem seiner schlechtesten Investments: Beim Zweitligaklub Cardiff City hat Tan 200 Millionen Pfund versenkt. (Lesen Sie auch den mm-Report: Was Investoren mit der Bundesliga vorhaben)

Dalman kennt sich aus im Fußballgeschäft, er hat schon die Glazer-Familie bei deren Übernahme von Manchester United beraten. Tan jedoch hat in Cardiff investiert, ohne Dalman vorher zu fragen. Und das war ein Fehler. "Wenn man ein Fußballgeschäft mit dem Kopf steuert, dann kann man sehr viel Geld damit verdienen. Tan ist indes seinem Herzen gefolgt."

Nun ist der Milliardär sein Klient und Dalman der Klubpräsident. Jedes zweite Wochenende fährt er drei Stunden zum Heimspiel.

Dalman will den Klub aus der walisischen Hauptstadt verkaufsfertig machen und geht dabei ganz geschäftsmäßig vor. Die Fans sollten sich keine Illusionen machen: "Ich bin Manchester-United-Fan."

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