Mittwoch, 16. Januar 2019

Meditation Innenansichten eines Chefs

Innenansichten: Meditierende Manager
Dieter Mayr für manager magazin

4. Teil: Unternehmen Körper

Einen Privatguru der besonderen Art hat der bayerische Mittelständler Hans Hörmann: seine Tochter. Er ist 86, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, ein großer Ayurveda- und Meditationsanhänger und überzeugt, dank seiner Einstellung zu Gesundheit und Geist immer noch fidel seinen florierenden Geschäften nachgehen zu können. Früher reiste er nach Indien, um den Geist zu fokussieren, dann finanzierte er kräftig mit, um die Lehre der Gurus nach Europa zu bringen, nach Mallorca und ins RoSana im oberbayerischen Rosenheim.

Tochter Heidi, Juristin und mehrere Jahre Personalchefin in Hörmanns Familienkonzern, ist dort nun Geschäftsführerin und Meditationsleiterin. In dieser Funktion übt sie alljährlich in Brüssel auf dem World Forum for Ethics in Business mit Wirtschaftslenkern und Politikern aus aller Welt neues Denken für eine neue Ära. In den bekannten TLEX-Seminaren geht es um "Transformational Leadership for Excellence", ums Wiederbeleben menschlicher Werte in der Wirtschaft, um Inspiration und Wandel, um Kopf und Herz. Zum erlesenen Kundenkreis gehören die Weltbank, Großkonzerne wie Coca-Cola Börsen-Chart zeigen, Siemens Börsen-Chart zeigen, Tata Börsen-Chart zeigen, Ikea und auch die Harvard Business School.

Warum plötzlich so viel Inwendigkeit? Ein Anruf bei Dr. Ulrich Bauhofer, dem Ayurveda-Arzt und Lehrer für Transzendentale Meditation, dem sich viele Mitglieder der Chefetagen anvertrauen, ist jetzt unvermeidlich. "Da ist null Esoterik im Spiel", stellt er gleich klar. Ayurveda sei eine sehr alte Wissenschaft über die Regeln des gesunden Lebens, deren Vokabular keiner lernen muss. Es gehe darum, "den menschlichen Körper als biologisches Unternehmen zu sehen, das Geheimnis der Führungsstärke liegt im intelligenten Energiemanagement".

Kein Wunder, dass ihm bei dieser Betrachtungsweise die Manager die Tür einrennen. Als Allererstes sagt Bauhofer seinen Patienten, sie sollen mehr schlafen und regelmäßig essen - back to basics. Studien zeigen, dass unausgeschlafene Manager entscheiden wie Betrunkene.

Wie eine Gedankendusche

"Wir laufen auf eine große Meditationswelle zu", sagt Bauhofer.

Wieso denn das?

"Weil die Leute das brauchen."

Das kann jeder behaupten.

"Die WHO hat Stress als eine der größten Gefahren ausgemacht, und der Stress wird täglich größer, das kann jeder an sich selbst und seinen Nächsten beobachten."

Und wie genau müssen wir uns das Verhältnis zwischen dem bösartigen Stress und der Meditation vorstellen?

"Durch Meditieren haben Sie eine simple Methode an der Hand, den Stress abzubauen. Das ist wie eine Gedankendusche. Sie gehen ja auch nicht aus dem Haus, ohne sich zu waschen und die Zähne zu putzen."

Wenn das so einfach ist, würden wir gern erfahren, wie sich die Anleitungen für das Führungspersonal der gesellschaftlichen Spitze anhören.

"Am Telefon?"

Sicher, wir haben schließlich wenig Zeit.

Verweigerungslachen.

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