Mittwoch, 22. August 2018

Achten Sie auf: Max Conze, neuer Chef von ProSiebenSat.1 "Plötzlich war ich für 20 Leute verantwortlich, das war so beängstigend wie die Hölle"

Max Conze
Alex Griffiths
Max Conze

Der neue CEO trifft auf einen verstörten Konzern. Jüngst kippte ProSiebenSat.1 aus dem Dax und wurde Opfer von Investoren-Attacken. Max Conze selbst hat keine Ahnung von TV. Aber Energie.

Die folgende Geschichte ist eine leicht geänderte Version eines Porträts aus der Juni-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende Mai erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Eigentlich hatte ProSiebenSat.1 seit Ende Februar keinen Chef mehr. Doch tatsächlich ist Max Conze (48) bereits seit Wochen am Werkeln, als sein Vertrag im Juni offiziell startet. Seit Ende Februar schon traf er sich: mit Vorständen und Geschäftspartnern, spricht mit Bankern, analysiert, konzipiert, ja, und lässt sich auch die täglichen Quoten reichen, die unter dem langjährigen CEO Thomas Ebeling (59) zuletzt nach unten wiesen wie ein Barometer vor dem Sturm.

Die Not ist also groß - gerade kippte der Sender aus dem Dax -, da mag Max Conze nicht warten. Er ist groß und energiegeladen, ein Kraftwerk auf zwei Beinen. Dazu Naturburschencharme, im königsblauen Baumwollanzug, eher Holzfäller als Haute Couture, das Hemd leuchtet kobaltbleu, offener Kragen, am linken Handgelenk prangt die enorme Taucheruhr, eine Technologiewumme, die nach einem Waffenschein schreit; die schneeweißen Turnschuhe knöchelhoch, seinen federnden Schritt elegant abrollend.

So ähnlich ging einst Bernd Eichinger, der legendäre Filmproduzent, den nichts und niemand aufhalten konnte: immer entschlossen, Fußabdrücke zu hinterlassen.

Bei ProSiebenSat.1 empfangen sie Conze mit gemischten Gefühlen. Die einen freuen sich, dass endlich das Kapitel Ebeling zugeschlagen wird. Dass all die Verletzungen verheilen, die ihnen der Fernsehkönig zugefügt hat.

Die anderen glauben nicht an den Zauber des Neuanfangs. In manchen Schubladen liegt eine Fotomontage, zusammengesetzt je zur Hälfte aus Thomas Ebelings Konterfei und dem von Max Conze. Am Ende sieht's aus wie ein Bild von Thomas Ebeling.

Der Neue sei ohnehin nur von des Alten Gnaden in die Position gehievt worden, maulen sie. Dann dringt auch noch aus dem Kreis derjenigen, bei denen Conze zum Vorstellungsgespräch angetreten ist, ein ziemlich kritisches "der kann in erster Linie Macht" und kenne nur einen: "Ich. Ich. Ich."

Die Zweifler und Niedergeschlagenen mitzureißen wird Max Conze, der sich sehr gern in der Rolle des großen Motivators sieht, mehr kosten als ein paar rhetorische Streicheleinheiten.

Während sie in Unterföhring also in einem Drehbuch gefangen sind, das keineswegs verdächtig nach Grimme-Preis klingt, fragt der Rest der Medien- und Businesscommunity: Max Who? Conze? Nie gehört!

Dabei hat der 48-Jährige eine tolle Karriere vorzuweisen. Geboren in Bielefeld, aber eher zufällig, denn Vater Conze war Berufsoffizier, und so zog die Familie alle drei Jahre um. Die Chance, irgendwo tiefe Wurzeln zu schlagen, war gering. Dafür wusste er früh, wie sich Korpsgeist buchstabiert.

Nach dem Abitur zog er der Familie hinterher. Die residierte mittlerweile in den USA, in Columbus/Georgia. Hier studierte Conze, Ältestes von vier Geschwistern, an der Turner School of Business der State University; in einem derart rasanten Tempo, dass er nach zwei Jahren seinen Bachelor in Business Administration in der Tasche hatte, samt einer Summa-cum-laude-Auszeichnung, die ihn als Phi-Beta-Kappa-Kandidaten auswies, als einen der Besten der Besten also. Mit diesem Label braucht man nur mit dem Finger schnipsen, um akademische Stipendien zu bekommen.

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