Montag, 11. Dezember 2017

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Comeback der Maßschuhe So lebt es sich auf teurem Fuß

Schuhmode: Wie Maßschuhmanufakturen arbeiten
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DPA

Stilbewusste Schuhmacher und Start-ups verhelfen dem Maßschuh zu einem bunten Comeback.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 8/2017 des manager magazins, die Ende Juli erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

So, diese Sitzbank wäre dann auch fertig. Gute Bänke gehören für die Macher von Shoepassion zu guten Schuhen einfach dazu - also bauen sie die Dinger in ihrer Industrieetage im Nordosten Berlins selbst. Nicht dass später im Laden irgendein Schrott steht.

Keine zehn Jahre ist es her, da wurde Shoepassion als Internetfirma für besseres Schuhwerk gegründet. Inzwischen betreibt die Marke auch ganz klassische Filialen, mit äußerst bequemen Holzbänken. Das Geschäft wächst, im In- wie im Ausland, die Umsatzziele sind ehrgeizig. Dieses Jahr sollen erstmals mehr als 100.000 Schuhe aus Marzahn verschickt werden. Ihr jüngster Coup: die Übernahme einer der ältesten deutschen Luxusherrenschuhmarken, Heinrich Dinkelacker. Die wurde zuletzt von Investoren um Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking am Leben erhalten.

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Gute Schuhe erleben eine Renaissance - seien es Produkte aus der Manufaktur wie bei Shoepassion, seien es eigens angefertigte Maßschuhe. Anders als früher bringt die Kundschaft jedoch ein deutlich ausgeprägteres Stilbewusstsein und viel Freude an neuer Farben- und Formenvielfalt mit. Die Schuhe dürfen nicht mehr aussehen wie Opas guter alter englischer Lederschuh. Und das haben Start-ups wie Shoepassion begriffen.

"Modisch, weniger formell und handwerklich hochwertig", gibt Bernhard Roetzel die Linie vor. Seit er das "Handbuch der klassischen Herrenmode" geschrieben hat, gilt er als Kapazität auf dem Gebiet.

Roetzel kommt gerade von den Messen in Florenz und Mailand zurück. Er gerät ins Schwärmen, wenn er von den Schuhen spricht, die er dort gesehen hat: alle Brauntöne, kein Einheitsschwarz mehr, schmale, elegante Leistenformen, weiche, anschmiegsame Leder, Mokassins, Loafer, Chukka-Boots und Bootsschuhe - Modelle also, die längst nicht so formell sind wie die klassischen Oxfords oder Derbys, zugleich aber einen Kontrapunkt zur Diktatur der Sneaker setzen. Selbst in der Gründerszene laufen sie damit inzwischen herum.

Das Tolle bei solchen Schuhen sei, dass man auch ohne Anzug und Krawatte immer noch sehr smart aussehe, so Roetzel, "smarter jedenfalls als der uniforme Hoodie-Träger". Stil statt Dresscode.

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