Montag, 25. März 2019

Endstation Bogenhausen Wie Martin Winterkorn aus dem Autohimmel fiel

Martin Winterkorns VW-Karriere: Szenen einer Ehe - "Wikos" Aufstieg im Volkswagen-Konzernreich
Getty Images

7. Teil: Servieren, braten, dekantieren

2009
8,4 MRD. EURO
bezahlt Volkswagen in zwei Tranchen für die Porsche AG. Ein Schnäppchen, im Nachhinein.

2011
17,4 MIO. EURO
verdient Martin Winterkorn; so viel wird es nie wieder.

2014
10,137 MIO.
Autos verkauft Volkswagen, Winterkorn knackt die 10 Millionen – dank China, Audi und Porsche.

Winterkorn regierte wie ein Autokrat. Was der Chef anordnete, wurde gemacht. So hatte bereits Piëch gesteuert.

Und Winterkorn hatte sich noch etwas von Piëchs Führungsstil abgeschaut: Er herrschte nicht nur; er teilte auch. Die Arbeitnehmer bekamen rund 50.000 neue Jobs allein in Deutschland. Zählt man Porsche und MAN hinzu, sogar fast 110.000. Die Familie, durch die versuchte Volkswagen-Übernahme von Wendelin Wiedeking finanziell fast ruiniert, machte er mächtig wie nie zuvor. Er rettete die Porsche AG und sicherte dem Clan mithilfe von Finanzvorstand Pötsch die Stimmenmehrheit an Volkswagen. Auch das Land Niedersachsen hielt er mit kleinen Geschenken bei Laune. So übernahm Volkswagen das Osnabrücker Werk des insolventen Zulieferers Karmann.

Winterkorns Lohn für all das? Ein sattes Millionengehalt - und vor allem: Autos!

Schon Piëch hatte sich auf diese Art das Wohlwollen von Land und Betriebsrat erkauft. Im Gegenzug durfte er den Bugatti bauen, Lamborghini übernehmen und später sogar die Trucks von MAN.

So viel wollte Winterkorn gar nicht. Ihm ging es um die schärfsten Kanten, das perfekte Spaltmaß, den Testsieg bei der Fachzeitschrift "Auto, Motor, Sport". Nicht gegen Toyota, Opel oder Renault. Er wollte Mercedes und BMW schlagen, mit Modellen wie dem VW Passat. Das wiederholen, was Piëch mit Audi geschafft hatte.

Der Mann hat für Volkswagen gelebt. Er jettete um die Welt, testete Autos, in der Wüste und im Eis. Er wurde von Politikern hofiert, weil er Investitionsmilliarden verteilte. Er hatte mit Gattin eine Audienz beim Papst, saß mit Gottschalk beim Hahnenkamm-Skirennen in Kitzbühel zusammen und war zu Gast im Kanzleramt.

Winterkorn genoss das Leben im Licht. Mitunter ein wenig zu sehr. Wie etwa bei einem Investoren- und Analystentag im Herbst 2014. VW hat Finanzexperten aus aller Welt nach Sardinien geladen; ausnahmsweise präsentiert ihnen Winterkorn persönlich den neuen Passat. Schon über den Ort wundern sich manche: das "Hotel Romazzino" in Porto Cervo. Hier erholt sich Winterkorn regelmäßig in den Ferien, hier hatte fünf Jahre zuvor Ferdinand Piëch den damaligen Porsche-Chef Wiedeking mit ein paar Sätzen vernichtet.

Winterkorn sei an diesem Abend aufgetreten wie ein Fürst, erinnert sich ein Anwesender: Beim Dinner bedienen sich alle am Buffet, nur am Tisch des CEOs wird serviert und gebraten; die Kellner dekantieren dort große Flaschen Rotwein, reichen dicke Zigarren. Da hat einer die Bodenhaftung verloren.

Das war zu Beginn seiner Karriere noch ganz anders. Freundlich sei er gewesen, berichten Weggefährten, bescheiden und unprätentiös, uneigennützig und kollegial. Sie kommen mit dem Loben gar nicht nach.

© manager magazin 9/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung