Dienstag, 20. November 2018

75 Topfrauen der deutschen Wirtschaft Die herausragende Managerin 2016: Melanie Kreis

Melanie Kreis wacht über die Finanzen der Deutschen Post
Majid Moussavi / manager magazin
Melanie Kreis wacht über die Finanzen der Deutschen Post

Zum zweiten Mal kürt das manager magazin die einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Die Prima inter Pares des Jahrgangs 2016: Melanie Kreis, Finanz- und Personalvorstand der Deutschen Post.

Dienstag, der 8. November, die Deutsche Post hat zur Pressekonferenz für das dritte Quartal geladen. Auf dem Podium sitzt Frank Appel, der Vorstandsvorsitzende, daneben sein Pressechef - und eine Frau: Finanzvorstand Melanie Kreis (45).

Sie schiebt Unterlagen und Stifte von links nach rechts, lächelt knapp in die Runde. Im Saal wartet man gespannt: Wie tritt sie auf? Zurückhaltend, selbstbewusst oder gar triumphierend? Lässt sie erkennen, dass sie stolz ist auf diese Zeitenwende?

Erstmals thront eine Frau über dem Finanzressort des weltgrößten Logistikkonzerns mit 60 Milliarden Euro Umsatz und fast einer halben Million Mitarbeitern. Melanie Kreis ist Physikerin, M&A-Expertin und Mutter zweier Töchter. Ein Solitär in der durch und durch maskulinen Finanzerriege des Dax, zumal sie noch ein zweites Ressort verantwortet. Denn Kreis ist nebenbei auch noch Personalvorstand, ihre Vorgängerin warf 2014 vorzeitig hin.

Appel präsentiert ein paar Zahlen. Danach eilt seine Kollegin, klassischer roter Bleistiftrock, schwarzer Blazer, zum Mikrofon. Noch ein schnelles Lächeln, eine artige Begrüßung: "Ich freue mich sehr, Ihnen zum ersten Mal in dieser neuen Aufgabe Quartalszahlen präsentieren zu dürfen, und ich freue mich insbesondere, dass ich Ihnen gute und solide Zahlen präsentieren kann." Und ab geht's in die Tiefen der Gewinn-und-Verlust-Rechnung.

Unaufgeregt, sachlich, ohne Showeinlagen - so hält man es bei der Deutschen Post. Dem CEO war die große Geste schon immer suspekt. Und Melanie Kreis ist da nicht anders, sie mag's ebenso nüchtern wie der Chef. Das Symbolhafte ihres ersten Auftritts sei ihr glatt entgangen, sagt sie: "Den Job hatte ich doch schon im Oktober angetreten." Und überhaupt: Sie erledige da eine Aufgabe, so gut wie möglich, kein Grund für Triumphgeheul.

Bei allen Deals mit am Verhandlungstisch

Ein wenig Stolz darf aber schon sein. Wegbegleiter und Unternehmenskenner sind durchaus beeindruckt von dem beharrlichen, stetigen Aufstieg, den Kreis bei der Post hingelegt hat. Und von den Brocken, die sie ihrer Mannschaft immer wieder aus dem Weg räumt. Bei allen wichtigen Deals der vergangenen zehn Jahre saß sie mit am Verhandlungstisch. Den völlig verhärteten Arbeitskampf mit Verdi 2015 beendete sie souverän.

Melanie Kreis ist die Prima inter Pares in der Liste der "75 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft", die das manager magazin in Kooperation mit der Boston Consulting Group (BCG) nun zum zweiten Mal in Folge kürt. Eine hochkarätige Jury (siehe unten) hat die Finalistinnen ausgewählt. Die Liste ist in diesem Jahr von 50 auf 75 Frauen erweitert worden, auch weil die Zahl der bedeutenden Akteurinnen angesichts des Quotendrucks beständig wächst. Sie ist kein Ranking, dafür sind die einzelnen Funktionen und Einsatzfelder der Businessladys zu wenig vergleichbar. Nur Melanie Kreis strahlt dank ihrer Erfolge ein wenig heller als die anderen, sie ist unsere Frau des Jahres.

Die Topmanagerin mit den zwei Vorstandsressorts steht auch für einen neuen Trend bei der Rekrutierung von weiblichem Spitzenpersonal. Zu oft haben sich Aufsichtsräte und CEOs in der Vergangenheit blamiert, weil sie unter öffentlichem Druck hektisch eine Lösung präsentierten, die sich wenig später als Fehlgriff erwies.

Das hat sich geändert. Zuletzt schienen die meisten Topbesetzungen wohlüberlegt zu sein: sorgfältig ausgesuchte Wunschkandidatinnen von CEO und Chefkontrolleur, nicht selten aus dem eigenen Haus.

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