Dienstag, 22. August 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Luftfahrt Wie die Lufthansa von der Schwäche der Golf-Airlines profitiert

Luftfahrt: Fata Morgana
Fotos
imago

Die Fluglinien vom Golf haben ihre Magie verloren. Statt anzugreifen, müssen die Araber ihre Unternehmen sanieren - und die Lufthansa profitiert davon.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 3/2017 des manager magazins, die Ende Februar erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Auftritte von James Hogan (60) hatten immer etwas von einer Verkaufsshow. Der wuchtige Australier, Kopf der arabischen Fluglinie Etihad, pries sein Werk wie eine Wunderpfanne mit Patentgriff und Beleuchtung. Etihad sei "die beste Fluggesellschaft in allen Klassen", prahlte er; außerdem die "schnellstwachsende Airline in der Geschichte der kommerziellen Luftfahrt", weltumspannend und selbstverständlich profitabel. Kurz: eine Superlinie, die nicht zu stoppen ist.

Wie bescheiden wirkte dagegen jener Hogan, der sich Anfang Februar in Abu Dhabi zeigte. Der Anlass war zwar erfreulich - Etihad kuschelt mit der Lufthansa Börsen-Chart zeigen, man kooperiert bei ein paar Flügen, Catering und Wartung. Doch neben seinem Gast, Lufthansa-Kapitän Carsten Spohr (50), sah Hogan blass und angestrengt aus. Er murmelte etwas von "Feintuning" seiner Strategie. Und sah mit Befremden, wie Spohr von der Bühne herab Scheich Mohamed zuzwinkerte, dem Chairman von Etihad. Eine Woche zuvor war verkündet worden, dass Hogan gehen wird, im zweiten Halbjahr. Im Grunde hat er nichts mehr zu sagen.

Der einst so schwungvolle Verkäufer muss dafür büßen, dass sein fabelhaftes Projekt regelrecht implodiert ist. Die Flotte wächst, aber die Maschinen bleiben oft halb leer. Beteiligungen im Ausland, etwa an Air Berlin Börsen-Chart zeigen oder Alitalia Börsen-Chart zeigen, erwiesen sich als teure Flops. Etihad fliegt wohl ebenfalls hohe Verluste ein. Kenner munkeln von bis zu einer Milliarde Dollar Defizit jährlich. Ein Sparprogramm läuft. Vor allem ausländische Angestellte verlieren ihren Job.

Bleibt für Hogan nur der schwache Trost, dass auch die anderen Golf-Carrier - Emirates Airline aus Dubai und Qatar Airways - ihre Ziele derzeit weit verfehlen.

Beim Giganten Emirates, größer als Etihad und Qatar zusammen, brach das Ergebnis im ersten Halbjahr um 75 Prozent ein. Die Branche erinnert sich noch gut an die flotten Sprüche von Emirates-Verkaufschef Thierry Antinori (55). Der höhnte einmal, Altairlines wie die Lufthansa oder Air France Börsen-Chart zeigen könne man "nur bedauern".

Plötzlich geht das Mitleid in die andere Richtung.

Die internationale Luftfahrt steht vor einer Zeitenwende. Nach Jahren der fulminanten Expansion prallen die staatlichen Fluglinien vom Persischen Golf an Grenzen. Die erwartete Kundschaft bleibt aus. Derweil darbt das Öl- und Gasgeschäft, auch die wohlhabenden Emirater können sich Kapriolen in luftiger Höhe immer weniger leisten. Wie konnte es zu diesem Absturz kommen? Und was heißt das für die europäische Nummer eins, die Lufthansa? Schrumpfen ihre Angstgegner von einst womöglich bald zu Juniorpartnern?

Die Turbulenzen geben ein markantes Beispiel, wie man auch die beste Idee zu Tode kopieren kann. 1985 gründete der Engländer Tim Clark (67) auf Geheiß der Herrscher von Dubai die Fluglinie Emirates; er ist noch heute ihr Präsident. Seine Grundüberlegung war bestechend: Dubai liegt zentral zwischen Europa, Südasien und Afrika. Mit einem Drehkreuz am Golf lassen sich riesige Passagierströme höchst effizient organisieren. Und viele Gäste für das aufstrebende Dubai gewinnen.

Der Plan funktionierte. So gut, dass die Nachbarn eifersüchtig wurden und das Modell einfach nachahmten. 1997 ging Qatar Airways an den Start, 2003 Etihad. Schon da war absehbar, dass drei Umsteigelinien nebeneinander eigentlich zwei zu viel sind.

Nachrichtenticker

© manager magazin 3/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH