Montag, 16. Juli 2018

Der Mann hinter der Milliarden-Wette: Liam Condon Bayers Geheimwaffe für den Monsanto-Deal

Bayers bester Verkäufer: Liam Condon - der Mann für den Monsanto-Deal
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AFP

In den nächsten Monaten will Bayer den schwersten Kauf der deutschen Nachkriegsgeschichte ins Ziel bringen: Die Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto. Die Geheimwaffe der Leverkusener: der Ire Liam Condon

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 8/2017 des manager magazins, die Ende Juli erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Bei seinem ersten großen Auftritt in St. Louis scheint Liam Condon (49) nur ein Thema zu kennen: sich selbst. Es ist der Morgen, nachdem die Amerikaner den Widerstand gegen die Übernahmeattacke der Deutschen endgültig aufgegeben haben. Während Bayer-Chef Werner Baumann (54) und Monsanto-CEO Hugh Grant (59) die große Vision ausbreiten, spricht Condon darüber, wie es sich anfühlt, von Bayer gefressen zu werden.

Schnell hat der kleine, sehnige Mann die Aufmerksamkeit der Monsanto-Leute, die zu Hunderten vor ihm Platz genommen haben (noch einmal so viele haben sich über das Intranet eingeklinkt). Condon erzählt davon, dass es ihm selbst vor ziemlich genau zehn Jahren ähnlich ergangen ist. Er arbeitete für den Konkurrenten Schering, als Landeschef in China. "Keiner kann dir in so einem Moment sagen, was genau passiert und wie es im Detail laufen wird", erinnert er sich an den Tag, als sein alter Arbeitgeber aufgekauft wurde: "Ich hatte keine Ahnung von Bayer, ich hatte kein Netzwerk und kannte keinen, aber am Ende ist es gut gelaufen."

Widerspruch zwecklos. Schließlich steht Condon hier als Musterbeispiel dafür, wie gut es Bayer mit dem Management seinerÜbernahmen meint. Condons Auftritt war als Angstlöser geplant, und diesen Auftrag erledigt er perfekt. Extrem kalkuliert und so dosiert, dass er weder anbiedernd noch aufgesetzt wirkt. Generalprobe bestanden. Jetzt kann die Arbeit losgehen.

66 Milliarden Dollar wird Bayer für den Agrarkonzern Monsanto ausgeben - für die Idee, das gentechnisch veränderte Saatgut der Amerikaner mit den Pestiziden und Herbiziden der Deutschen zum Goldstandard der industriell betriebenen Landwirtschaft zu vereinen. Es ist Condons Job, aus dem bislang teuersten Zukauf der deutschen Wirtschaftshistorie eine Erfolgsgeschichte zu machen.

Nicht nur die finanziellen Dimensionen sind furchterregend. Bayer paktiert mit dem Sinnbild des Bösen in der Konzernwelt, verknüpft seine Zukunft mit einem Vorreiter des Rambo-Kapitalismus, der sich in der Vergangenheit mit allen und jedem angelegt hat - mit Bauern, Umweltschützern und Behörden. Der sein Geschäft stets mit maximaler Aggressivität geführt und dabei nie auf irgendetwas oder irgendjemand Rücksicht genommen hat.

Condon wird in den kommenden Jahren der Schlüsselspieler im neuen Bayer-Konstrukt sein. Geht die Integration von Monsanto schief, gilt der Konzern an den Kapitalmärkten nicht mehr als wertschaffender Life-Science-Verbund, sondern als kapitalzersetzendes Konglomerat.

Dann könnte ein Szenario Wirklichkeit werden, gegen das sie in Leverkusen seit Jahren anarbeiten: Hedgefonds steigen ein, die laut nach einer Aufspaltung rufen, und in ihrem Gefolge tauchen Pharmagiganten auf mit leerer Produktpipeline, voller Kriegskasse und großem Appetit aufs Medikamentengeschäft. Bye-bye Bayer!

Selbst ein Gigant wie der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé, an der Börse mehr als doppelt so schwer wie Bayer, muss inzwischen mit den Piranhas der Finanzmärkte leben.

Wer also ist der Mann, der das Jahrhundertprojekt Monsanto wuppen soll? Können sich Baumann und sein Oberaufseher Werner Wenning (70) sicher sein, dass Condon der Richtige ist für den Job? Gerade erst hat eine Gewinnwarnung aus seiner Sparte den Bayer-Kurs um 5 Prozent abrutschen lassen und neue Zweifel am großen Agrardeal geweckt.

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