Sonntag, 16. Dezember 2018

Der Deutschen liebste Geldanlage Deutsche Lebensversicherer - überall Baustellen

Deutsche Lebensversicherer: Überall Baustellen
DPA; Allianz; Generali

3. Teil: Geplündert vom Großaktionär

In den nächsten Monaten soll zusammen mit dem US-Konzern IBM Börsen-Chart zeigen eine Plattform gebaut werden, auf der die Altbestände fehlerfrei verwaltet werden können. 80 Prozent sollen der Münchener Rück gehören, IBM die restlichen 20 Prozent. Das Konstrukt soll zudem in der Lage sein, Policenbestände von Konkurrenten zu verwalten, die ihre Lebensversicherer still und leise abwickeln möchten.

Für die Münchener Rück ist diese Lösung aber nur zweite Wahl. Schöner wäre es für Wenning, wenn sich doch noch ein Käufer fände und er das in der Bilanz gebundene Risikokapital heben und an die Aktionäre ausschütten könnte.

Vom Auskehren seines wertvollsten Rohstoffs an die Shareholder hat Allianz-Mann Faulhaber nie viel gehalten. Er steckte überschüssiges Kapital lieber in den Ausbau seines Geschäfts. Dabei ist er keinem Streit aus dem Weg gegangen. Und davon gab es reichlich. Dieter Wemmer (60), Finanzchef der Holding, war die hohe Bilanzbelastung stets suspekt, die aus dem Lebensversicherungsgeschäft resultiert. Als im Frühjahr 2015 das Oberkommando von Michael Diekmann (62) auf Oliver Bäte überging, sah Wemmer seine Chance gekommen. Er versuchte Faulhabers Festung zu schleifen. Es knallte laut und lange, durchgesetzt aber hat sich Faulhaber.

Am Ende war der Gewinnbeitrag zu hoch, den der Mathematiker Jahr für Jahr in der Münchener Zentrale ablieferte. Früh hatte er sich vom tradierten Geschäftsmodell verabschiedet. Die klassischen Policen flogen aus dem Programm. Den Kunden wird heute nur noch garantiert, was sie tatsächlich an Sparkapital eingezahlt haben.

Das Risikokapital, das nach und nach frei wird, weil die Kunden ihre Altpolicen ausgezahlt bekommen, setzt er ein, um ertragreichere Papiere zu kaufen. Aktien, Private Equity, Immobilien, Infrastrukturprojekte - alles, was höhere Renditen verspricht als Staatsanleihen, dafür aber wegen des höheren Risikos mit deutlich mehr Kapital in der Bilanz unterlegt werden muss.

Auf diese Weise schafft Faulhaber es, die Verzinsung seiner Kapitalanlagen spürbar über dem Rest des Marktes zu halten. Damit gewinnt er für die Allianz Marktanteile, die von den bilanziell schwächeren Wettbewerbern aufgegeben werden.

Konzernchef Bäte löste den Krach zwischen seinem Finanzmann und dem Lebensversicherungschef übrigens auf fast salomonische Art und Weise. Wemmer verabschiedet er Ende 2017 in den Ruhestand. Und Faulhaber verklärte er zur globalen Benchmark für das Lebensversicherungsgeschäft der Allianz.

Mit diesem Orden kann sich der Lebensversicherungsmann allerdings nicht mehr lange schmücken. Ziemlich genau acht Monate noch, dann hat auch er die Altersgrenze erreicht.

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