Samstag, 16. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Wirtschaftskultur Die Gefahren der künstlichen Intelligenz

Schöne Feindin: Im Film "Ex Machina" verliert der Mensch seinen Kampf gegen die hübsche Androidin. Nicht unrealistisch, findet Max Tegmark.
DVD, Blu-ray Ex Machina, Universal Pictures
Schöne Feindin: Im Film "Ex Machina" verliert der Mensch seinen Kampf gegen die hübsche Androidin. Nicht unrealistisch, findet Max Tegmark.

Der Physiker Max Tegmark warnt vor den Gefahren durch Superrechner.

Die Frage, ob superintelligente Maschinen die Macht auf der Erde übernehmen werden, ist für die Menschheit sicherlich bedeutender als die nach dem Gewinner der Bundestagswahl. Möglichkeiten und Gefahren der künstlichen Intelligenz (KI) sind das Thema unter den Tech-Propheten des Silicon Valley. Sie streiten sogar öffentlich darüber.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg etwa findet Negativszenarien zu KI "geradezu unverantwortlich", Regulierungsbefürworter Elon Musk (Tesla) hält Zuckerberg vor, nicht viel von dem Thema zu verstehen.

Buchtipp

Max Tegmark
Leben 3.0: Mensch sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz


Ullstein Hardcover, 528 Seiten, November 2017, 26 Euro

Jetzt kaufen

Mit "Life 3.0" kann Max Tegmark, Schwede und Physikprofessor am Massachusetts Institute of Technology, dem nun abhelfen, im November soll das Buch bei Ullstein auch auf Deutsch erscheinen.

Um es gleich vorwegzunehmen: Tegmark steht auf Musks Seite. Er verknüpft den Aufstieg der Superrechner unmittelbar mit dem Schicksal unseres Planeten und malt Fluch und Segen der Technologie nahezu Science-Fiction-mäßig an die Wand: Selbstlernende Systeme haben das Potenzial, die Menschheit zu versklaven oder auszulöschen.

Sie könnten aber auch helfen, den Bewohnern der ausgezehrten Erde neue Lebensräume im Weltraum zu erschließen - wenn sie "menschenfreundlich" programmiert werden. Was wann wie eintrifft, weiß Tegmark nicht; die Zeitspanne scheint ihm auch egal zu sein. Wer als Leser einen Überblick über die aktuellen Fortschritte in den Labors der KI-Entwickler sucht, wird daher enttäuscht.

"Life 3.0" kann als fantasievolles Manifest eines besorgten Wissenschaftlers gelesen werden, der für eine potenziell gefährliche Technologie vorsorgen will. Das verbindet ihn mit Insidern wie Cambridge-Physiker Stephen Hawking, Skype-Gründer Jaan Tallinn und (neben Musk) etlichen weiteren Silicon-Valley-Executives, die er zu seinem Netzwerk zählt. Den unbekümmerten Zuckerberg deegradiert "Life 3.0" dagegen eindrucksvoll zum Naivling.

© manager magazin 9/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH