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23.07.2013
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Krisenvorsorge
Ans Eingemachte

Von Mark Böschen

Untergangspropheten: Auf den Systemkollaps vorbereitet
Fotos
Stefan Thomas Kroeger für mm

Währungsreform, Vermögensverlust, Versorgungsengpässe: Nichts scheint mehr unmöglich. Untergangspropheten machen Geschäfte mit den Ängsten der Anleger. Im Angebot: Edelmetalle, Selbstversorgerfarmen, Waffen zur Selbstverteidigung.

Frank Eckhardt hat sein Versicherungsmakler-Diplom von der Handelskammer Hannover achtlos neben die Kommode gestellt. Den Platz hinter seinem Schreibtisch füllt nun eine Landkarte der kanadischen Provinz Nova Scotia. Dorthin, mehr als 5000 Kilometer von seiner Heimat entfernt, ist der 49-Jährige geflüchtet. In seinem früheren Wohnhaus in der Nähe von Göttingen ist er nur noch gelegentlich zu Besuch; die Immobilie hat er verkauft, das Büro mit dem kleinen Seiteneingang hat ein früherer Angestellter behalten, der das Versicherungsgeschäft weiterführt.

Nein, sagt Eckhardt, mit deutschen Lebensversicherungen wolle er nichts mehr zu tun haben. Denn darin steckten vor allem Staatsanleihen und andere Zinspapiere, an deren Wert er schon lange nicht mehr glaube. Überhaupt ist es mit Eckhardts Vertrauen in die Wirtschaft nicht mehr weit her.

Schon vor längerer Zeit löste er seine eigenen Lebensversicherungspolicen auf und kaufte Edelmetalle, vor allem Silber. Einige Monate später, am 9. Dezember 2005, schrieb er seinen Kunden einen Brief, in dem er seine fundamentalen Zweifel am Finanzsystem offenlegte: Die Verschuldung der westlichen Staaten habe unvorstellbare Ausmaße angenommen und sei für die Regierungen nur durch die Entwertung der Währungen zu bewältigen. In den USA drohe eine kreditfinanzierte Immobilienspekulationsblase zu platzen. Die Kunden sollten alle Papiergeldanlagen überdenken und besser in Sachwerte wie Gold und Silber investieren.

Die Reaktionen damals? Kopfschütteln.

Doch seit die Finanzkrise die Welt im Griff hält, grassiert die Angst. Eckhardt gilt nicht mehr als Spinner, sondern allenfalls als radikaler Mahner.

Die liberal-bürgerliche Szene zweifelt am System

Er ist Teil einer neuen Subkultur der Gelduntergangspropheten, die immer weitere Kreise in der Mitte der Gesellschaft ansprechen. Es ist eine liberal-bürgerliche Szene, die am System zweifelt. Diese Menschen wollen keine Revolution, sondern ihre Ruhe - Sicherheit für sich und für ihr Vermögen.

Und nebenher machen manche auch noch ein Geschäft aus der eigenen Angst und der der anderen. So wie Eckhardt, der seine bisherige Existenz aufgab. Er ging nach Kanada und begann dort Land zu entwickeln, aufzuteilen und weiterzuverkaufen. Das ist inzwischen seine Haupteinnahmequelle.

Seine alte deutsche Existenz hat er eingetauscht gegen eine Farm am Atlantik mit Obstbäumen und Wald, um Brennholz zu schlagen. Einen eigenen Brunnen hat er auch. Er wolle sich so weit wie möglich selbst versorgen können, sagt er. Autark sein für den Tag, wenn das westliche System zusammenbricht und auf das Gewohnte kein Verlass mehr ist.

"Wir steuern auf einen Systemkollaps zu", sagt Eckhardt. Er meint das wirklich ernst.

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  • Überschuldet
    Das Problem ist ihrer Analyse nach die hohe Gesamtverschuldung von Staaten, Unternehmen und Privatleuten. Dauerhaft tragbar sei eine Schuldenquote von 180 Prozent der Wirtschaftsleistung, so Stelter. In der Eurozone liegt dieser Wert inzwischen bei 271 Prozent. Ähnlich ist die Lage in den USA, noch schlimmer in Japan. Um auf ein solides Niveau zurückzukommen, müssten Lasten von 7,4 Billionen Euro abgebaut werden. Das Problem ist damit so groß, dass es politisch kaum bearbeitet werden kann. Stelter hat ausgerechnet, dass entweder 40 Prozent der privaten Finanzvermögen konfisziert werden müssten oder dass eine Mischung aus hohen Steuern und Inflation über Jahrzehnte die Schulden abschmelzen könnte. Heikle Lösungen, die auch künftig die Stabilität gefährdeten.

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