Montag, 11. Dezember 2017

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CEOs und ihre Schicksalsschläge Wie es weitergehen kann, wenn es weitergehen muss

Schicksalsschläge: The job must go on
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DPA

7. Teil: Am Elend gewachsen

Einer, der von sich behauptet, er sei am Elend gewachsen, ist Stefan Jacoby, bis 2012 Chef des schwedischen Autobauers Volvo Cars. Jacoby lief Marathon, ließ sich regelmäßig durchchecken, hielt seinen Körper instand.

Dann das: Ausgerechnet an einem dieser seltenen Abende, an denen er Zeit für die Familie hatte, schläft sein rechter Arm ein, ihm wird schlecht. Eindeutige Signale. Eigentlich. Aber Jacoby reagiert "männlich", wie er es nennt, verdrängt die Alarmzeichen. Die ganze Nacht. Am Morgen dann in der Notaufnahme die Diagnose: Schlaganfall. Und die wertvollen ersten Stunden zum Gegensteuern habe er vergeudet, so der Arzt.

Jacoby hört's - und auch nicht. Kaum hat er Gelegenheit, ruft er seine Sekretärin an. Sie solle den Flug zur Peking Motor Show umbuchen. "Dann flieg ich halt einen Tag später", so viel gesteht er seinem lädierten Body zu, der bis dahin lief wie eine Hochleistungsmaschine.

Aus einem Tag wurden neun Monate

Aus dem einen Tag wurden dann neun Monate, so lange dauerte es, bis er seinen Körper zurückerobert hatte. Gelähmt an Händen und Füßen, fing er ganz klein wieder an: Bauklötzchen aufeinanderlegen, mit dem Rollator 100 Meter den Krankenhausflur rauf und runter, das war seine neue Leistungswelt. Den Chefposten war er schnell los.

Seither sind gut drei Jahre vergangen. Nach vielen Frustrationen, in denen eine Rückkehr in die Welt der Topshots unmöglich schien, ist Stefan Jacoby wieder ganz oben, im Vorstand von General Motors.

Sein altes Leben will er trotzdem nicht zurück. Er verbringe jetzt mehr Zeit mit der Familie, sagt er, mache regelmäßig Pausen, so verrückte Dinge wie Yoga, nehme sich nicht mehr so wichtig und müsse nicht mehr überall dabei sein. Allein, dass Jacoby überhaupt über seine Geschichte redet, darf in Corporate Germany als souveräne Ausnahmeleistung verbucht werden. Insofern gilt vor allem für das Aufarbeiten von Unglücken: Work must go on.

© manager magazin 3/2016
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