Samstag, 16. Dezember 2017

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CEOs und ihre Schicksalsschläge Wie es weitergehen kann, wenn es weitergehen muss

Schicksalsschläge: The job must go on
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DPA

5. Teil: Vollbremsung für Überflieger

Das Selbstbewusstsein, Großes erreicht zu haben, schreibt der ehemalige Topmanager Philippe Pozzo di Borgo, nähre ein Gefühl der Allmacht, der Unsterblichkeit gar. Wie tief der Sturz der scheinbar Unbesiegbaren sein kann, erlebte er dann selbst. Auf der Jagd nach dem ultimativen Kick brach er sich beim Gleitschirmfliegen das Genick und war fortan vom Hals abwärts gelähmt. Dem großen Publikum ist er bekannt als der Protagonist in "Ziemlich beste Freunde".

Wie wird man als Überflieger fertig mit solch einer Vollbremsung? Dass darüber in den Chefetagen nachgedacht wird, zeigt die ständig steigende Zahl der Krisencoaches. Deren Rat ist so einleuchtend wie banal: "In einer Krise müssen die Karten auf den Tisch, das erleichtert ungemein", sagt etwa Tamara Dietl, Witwe des Verstorbenen Kultregisseurs Helmut Dietl. Es gebe drei Muster, wie mit Schicksalsschlägen umgegangen werde: Man macht weiter wie bisher, man zerbricht daran, oder man wächst an der Erfahrung.

Karten auf den Tisch, sagen, was Sache ist, Flucht nach vorn - so läuft es zumeist in Amerika, jenem Land, in dem die Gesundheits-Check-up-Ergebnisse des Präsidenten so bedeutend sind wie der jährliche Bericht zur Lage der Nation. Doch selbst wenn die Wirtschaftselite freizügiger mit ihren Diagnosen umgeht, heißt das nicht, dass sie deshalb kürzertritt. Gerade in den USA hält man sich in aller Härte an das Motto: Work must go on.

Abdel Sellou (rechts) und Philippe Pozzo di Borgo: Auf ihrer Geschichte und dem Buch von Philippe Pozzo di Borgo basiert der Kinoerfolgsfilm "Ziemlich beste Freunde".
Ungeheure Kraft aus schlimmen Erfahrungen

Jamie Dimon, Chef von J. P. Morgan Chase, bekannte sich 2014 zu seinem Kehlkopfkrebs, dachte jedoch nicht daran, deshalb den Topjob bei der Investmentbank aufzugeben. Kaum genesen, ließ er auch diese Nachricht sogleich in die Welt verschicken. Ebenso hielt es der Goldman-Sachs-Vordere Lloyd Blankfein. Mit der persönlichen Mitteilung, er sei an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und unterziehe sich einer Chemotherapie, verband er in gewohnter Manier die Ankündigung, er erwarte, bald wieder geheilt zu sein. In einem Fernsehinterview verglich er die 600 Stunden Chemo in formvollendeter Kriegslyrik mit "Napalm".

Facebook-Vorstand Sheryl Sandberg ließ die Öffentlichkeit auf nahezu rührende Weise an ihrer Trauer teilhaben, als Gatte Dave Goldberg tot vom Laufband fiel. Immer wieder postete sie ihre Gedanken und Versuche, mit alldem fertig zu werden. War sie schon vor dem Schicksalsschlag das sympathische Gesicht des Social-Media-Konzerns, ist sie seither zur Ikone avanciert.

Bei Bill McDermott, dem Vorstandsvorsitzenden des Softwarekonzerns SAP, dauerte es eine Weile, bis er mit seiner Notoperation herausrückte. Nachdem die monatelange Abwesenheit des Amerikaners zu Gerüchten geführt hatte, wurde das Drama indes offensiv inszeniert. "Ich bin noch am Leben, und das ist nach so einem Unfall keine Selbstverständlichkeit", erklärte McDermott in einem Zeitungsinterview.

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