Samstag, 16. Dezember 2017

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CEOs und ihre Schicksalsschläge Wie es weitergehen kann, wenn es weitergehen muss

Schicksalsschläge: The job must go on
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DPA

4. Teil: Ein Super-GAU fürs Image

Effizienter hätte der Super-GAU fürs Image gar nicht inszeniert werden können. BMW, Luxus, Geschwindigkeit, Premium - und dann liegt der, der das alles verkörpern soll, wie ein Häufchen Elend am Boden. Schwer, ein solches Bild, das sich in die Gehirne eingebrannt hat, zu überblenden.

Nicht nur Krüger erwischte es coram publico. Heidelberger-Druckmaschinen-Chef Gerold Linzbach erkrankte im Frühjahr 2015 (woran genau, will er bis heute nicht sagen) kurz vor der Bilanzpressekonferenz, auf der er erste Erfolge der Restrukturierung hätte vermelden können. Das Eingeständnis einer längeren Krankheit war nicht zu vermeiden. Seit Januar sitzt Linzbach wieder am Platz.

Der Prominentenanwalt Matthias Prinz, von dem Insider behaupten, Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch hätte den Machtkampf gegen Martin Winterkorn nie verloren, wäre sein Berater Prinz einsatzfähig gewesen, erlebte sein persönliches Drama im Herbst 2014, als er beim Joggen an der Alster einen Herzstillstand erlitt. Mit derselben Hartnäckigkeit, mit der er seine Fälle angeht, beißt er sich jetzt durch die Reha, täglich drei Stunden Physiotherapie, viel Schwimmen. Sein Oberkörper sieht nun aus wie der von Arnold Schwarzenegger, dank Krafttraining. Prinz witzelt, er habe sich seine gesamte Garderobe neu schneidern lassen müssen.

Die Karten müssen auf den Tisch

Er arbeitet schon wieder wie eh und je, nimmt trotz Rollstuhl morgens den ersten Flieger nach Stuttgart zum Porsche-Prozess, berät die Mächtigen der Wirtschaftsrepublik und, unfassbar, kitet im Thailand-Urlaub. Der Starjurist glaubt fest daran, dass er schon bald wieder gehen kann. Einen anderen Gedanken lässt er gar nicht zu.

Auch BMW-Großaktionärin Susanne Klatten hatte keine Chance, ihre Affäre mit dem Gigolo und Erpresser Helg Sgarbi zu vertuschen. Sie ging durch die Hölle des Boulevards, unlängst wurde ihre Geschichte sogar verfilmt.

Verlust des guten Namens? Sich verkriechen? Oder ein Befreiungsschlag? Klatten widerspricht nicht der Behauptung, dass es gerade der Skandal war, der sie zur Flucht nach vorn gezwungen hat, ihr zum Durchbruch verhalf. "Das mag schon sein", kommentiert sie knapp. Sie wollte und musste allen beweisen, dass da noch eine andere in ihr steckt, die entschlossene Unternehmerin. Immer mehr fiel auf, mit welcher Zielstrebigkeit und Härte sie auftreten konnte. Bei ihrer Beteiligung SGL Carbon beispielsweise, wo sie zur Oberaufseherin aufstieg und einen neuen Chef einforderte. Mindestens so beherzt ist ihr Engagement für junge Start-ups, die sich unter dem Dach des Inkubators Unternehmer TUM versammeln.

Eroberte sich die Deutungshoheit über ihr Leben zurück: Susanne Klatten, hier mit Ehemann Jan

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