Freitag, 15. Dezember 2017

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CEOs und ihre Schicksalsschläge Wie es weitergehen kann, wenn es weitergehen muss

Schicksalsschläge: The job must go on
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DPA

3. Teil: Die Aussortierten werden gemieden

Gattin Gisela sei eine "extrem starke Frau" gewesen, "sehr selbstständig und unglaublich mutig. Insofern hat sie diesen Kampf mit sich selbst ausgetragen." Der unbedingte Wille, auch in persönlichen Extremsituationen keinen Millimeter Territoriumsverlust zu riskieren, zeichnet die Wirtschaftsobrigkeit aus. Getrieben von der Angst, ein Konkurrent könnte bereits in den Startlöchern stehen und die Schwäche nutzen.

Nicht ganz zu Unrecht: Wer aus der Welt der Vorstandsetagen erst mal rausgeflogen ist, kommt an die Leistungselite oft nur noch per Grußkarte heran. Ob in der Oper, im Nobelrestaurant oder in der Businesslounge des Bundesligavereins - die Aussortierten werden gemieden. Martin Winterkorn, als VW-Chef viele Jahre lang die Nummer eins unter Deutschlands Topmanagern, spürt dies derzeit besonders. Wenn er auf der Tribüne des FC Bayern sitzt, will kaum einer etwas von ihm wissen.

Wehe, Du hast keine
Heldenstory"

Ein norddeutscher Ex-Vorstand, der einen Gehirnschlag erlitt, sich rasch erholte und trotzdem als nicht mehr vermittelbar gilt, sagt heute: "Wenn du keine Heldenstory zu bieten hast, dann halte dich lieber bedeckt." Der Grandseigneur unter den Personalberatern, Hermann Sendele, kann das nur bestätigen. Er weiß von "einem Heer von Gestürzten da draußen, über die niemand mehr spricht und die in Isolation leben".

Pech für die, die sich nicht verstecken können

Sendele musste selbst einen furchtbaren Schicksalsschlag verkraften. Während er auf Dienstreise war, drangen Einbrecher in sein Haus ein. Seine Frau erlitt einen Herzstillstand, er fand sie tot auf dem Küchenboden. "Das lässt einen nie mehr los", sagt Sendele. Seither reagiere er auf Ungerechtigkeiten und Schicksalsschläge, die anderen widerfahren, viel empfindlicher.

Andrea Och, Hamburger Coach für die Probanden der Führungsetage, hat festgestellt, dass es sich bei der Besetzung von Toppositionen nur um die eine Frage dreht: Wie reagiert jemand unter Druck? Deckt die Spurensicherung der Macht bei einem Kandidaten den Verdacht auf Burn-out, Depression oder Krankheit auf, muss der sich gar nicht erst vorstellen.

Pech für diejenigen, die keine Chance auf das Versteckspiel haben. Die es in aller Öffentlichkeit trifft. Jüngster und spektakulärster Fall, und zwar wortwörtlich: BMW-Chef Harald Krüger, der im September 2015 bei der Internationalen Automobil-Ausstellung vor laufenden Kameras zusammenbrach und von der Bühne geführt werden musste. Kreislaufschwäche.

Zusammenbruch vor laufender Kamera: Der Super-GAU für einen Auto-CEO

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