Montag, 11. Dezember 2017

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CEOs und ihre Schicksalsschläge Wie es weitergehen kann, wenn es weitergehen muss

Schicksalsschläge: The job must go on
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2. Teil: Das Bild der Macht darf keine Kratzer bekommen

Die Wirtschaftswelt mag mittlerweile von der Generation Y unterwandert sein, mit ihrem fast libidinösen Verhältnis zur Work-Life-Balance. Arbeitswut bis zum Exzess ist nicht mehr salonfähig. Ehrgeiz um jeden Preis - degoutant.

Doch ganz oben in der Pyramide funktioniert die Welt noch immer nach den alten Regeln, dort herrscht das Dogma: Das Bild der Macht darf keine Kratzer bekommen. Der CEO geriert sich in Zeiten des permanenten Self-Trackings mehr denn je als asketisch und sportlich, schwach darf auf der Teppichetage allenfalls die Assistentin werden, ob des Leistungspensums ihres Chefs. Wer krank ist oder sonst wie aus der Bahn geworfen wird, muss damit rechnen, geächtet und aussortiert zu werden. Der Rivale lauert schon. Elite-Darwinismus vom Feinsten.

Nur die wenigsten trauen sich, zu ihrer Schwäche zu stehen oder sie gar offen zu zeigen, so wie in Amerika. Hierzulande wird in der Regel vertuscht und verdrängt, so lange es eben geht.

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Das gilt für die erfolgreiche Unternehmerin, die nach der Krebsdiagnose ein mühsames Versteckspiel anfängt und schon vor der ersten Chemo eine Auswahl blonder Perücken bereitliegen hat. Weil sie aufgewachsen ist "mit der Maxime, dass Krankheit Charaktersache ist".

Das gilt für einen in seiner Macht unangefochten Regenten wie den Münchener Verleger Hubert Burda. Als dem heute 76-Jährigen 2013 eine Krebserkrankung attestiert wurde, hielt er die Nachricht streng unter Verschluss; obwohl kein Aktienkurs hätte abrutschen können (das Unternehmen ist zu 100 Prozent in Familienhand) und obwohl die von ihm und seiner Ex-Frau gegründete Stiftung, die den Namen seines an Krebs verstorbenen Sohnes Felix trägt, dazu aufruft, das Thema (Darm-)Krebs aus der Tabuzone zu holen.

Das gilt auch für einen wie Daimler-Chef Dieter Zetsche, der vor gut sechs Jahren einfach weitermachte, als seine Frau Gisela ihrem Krebsleiden erlag. "Man kann kein Sabbatical nehmen", suchte Zetsche im Gespräch mit einem Reporter der "Süddeutschen Zeitung" nach einer höheren Befehlsinstanz. "Sie können sagen, ich bin fremdbestimmt. Ich komme morgens ins Büro und sage, wie heiße ich, was habe ich zu tun?"

Einfach weitermachen: Daimler-Chef Zetsche mit seiner Ehefrau Gisela, die vor sechs Jahren an Krebs starb

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