Montag, 21. August 2017

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Eigentümer Hudson's Bay spielt hohes Risiko Puppenspieler - wie HBC die Zukunft von Kaufhof riskiert

Hudson´s Bay: Die Puppenspieler aus Kanada
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DPA

Das Vorgehen der Kaufhof- Eigentümer aus Kanada erinnert an die Strategie von Hasardeuren im Kasino: je größer die Verluste, desto höher der Einsatz. Wie lange kann das gut gehen?

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 4/2017 des manager magazins, die Ende März erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Wer die jüngere Geschichte der Warenhauskette Galeria Kaufhof verfolgt, wird das Gefühl nicht los, alles schon einmal erlebt zu haben.

Eineinhalb Jahre nach der Übernahme des Innenstadtdinos durch den kanadischen Konzern Hudson's Bay Company (HBC) verspürt man immer deutlicher ein Déjà-vu, streng genommen sogar drei: Die Vorgänge haben auffallende Ähnlichkeit mit dem laienhaften Gastspiel des US-Händlers Wal-Mart Börsen-Chart zeigen in Deutschland, mit dem fatalen Wirken von Thomas Middelhoff (63) bei Arcandor und der desaströsen Herrschaft des zeitweiligen Karstadt-Eigentümers Nicolas Berggruen (55).

Der weltgrößte Retailer Wal-Mart war es, der ohne Kenntnis des deutschen inzelhandels knapp 100 Selbstbedienungswarenhäuser in Deutschland erwarb und vergeblich versuchte, den Kunden den American Way of Life schmackhaft zu machen - ähnlich wie die Kaufhof-Eigner aus Kanada.

Middelhoff versilberte die Immobilien des Arcandor-Konzerns und nahm im Gegenzug exorbitante Mietsteigerungen in Kauf. Analog verfährt HBC mit einem großen Teil der Kaufhof-Immobilien.

Modell Middelhoff: Immobilien verkaufen, hohe Mieten in Kauf nehmen

Karstadt-Eigner Berggruen bediente sich aus der Warenhauskasse, die nach durchlaufener Insolvenz prall gefüllt war. Seine Hilfshorden verschwendeten Ressourcen, trimmten das Sortiment auf angelsächsisch und verschreckten damit die letzten Kunden. Ein vergleichbares Muster lässt sich nun bei Kaufhof erkennen.

Wal-Mart, Middelhoff, Berggruen - alle drei scheiterten grandios. Steht HBC womöglich dasselbe Schicksal mit der deutschen Tochter Galeria Kaufhof bevor? Einiges deutet darauf hin.

Die Kanadier kamen 2015 mit der Überzeugung nach Deutschland, sie wüssten alles besser - eine Überheblichkeit, die schon einige amerikanische, britische und französische Händler teuer bezahlen mussten.

Beim Kaufhof wurde bislang nichts besser, aber vieles schlechter. Den Erwerbspreis holten sich die HBC-Leute nach Private-Equity-Manier aus dem Kaufobjekt selbst. HBC saugt das Unternehmen über Mieterhöhungen aus. Seit der Übernahme schreibt Galeria Kaufhof rote Zahlen. Mit untauglichen Konzepten versuchen die Amerikaner, das Warenhaus umzukrempeln. Im Einkauf regiert das Chaos, viele Lieferanten wurden verprellt. In der Zentrale herrscht Frust, Führungskräfte sind reihenweise auf dem Absprung.

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