Montag, 11. Dezember 2017

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Achten Sie auf: Jörn Nikolay - Mr. Flixbus und Herr Fernbus Dieser Mann lehrt die Bahn das Fürchten

Jörn Nikolay
Fritz Beck für manager magazin
Jörn Nikolay

Der Deutschland-Chef des US-Tech-Investors General Atlantic rollt den europäischen Fernbusmarkt auf.

Jörn Nikolay (37) ist ein Musterbeispiel für Understatement. Sein Arbeitgeber General Atlantic (GA) gehört zu den größten Private-Equity-Häusern der Welt, doch das Büro des Deutschland-Chefs in einem Seitengebäude der Münchener Maximilianstraße wirkt so zurückhaltend und knochentrocken wie der ganze Typ. Viel Glas, ein Computer, halb leere Regale. Für all seine Investments steht auf Nikolays Schreibtisch nur ein blau-grüner Bus, Symbol für die Beteiligung am Fernbusunternehmen Flixbus.

Für den gebürtigen Bonner geht es vor allem um eins: um unternehmerische Erfolgsgeschichten in Deutschland. Und davon gibt es, findet er, eine Menge. "Es ist toll, was hier passiert. Da müssen nicht alle ins Silicon Valley fahren." Vor dreieinhalb Jahren gründete er mit dem Axel-Springer-Verlag das Rubrikenportal-Unternehmen Digital Classifieds. Das Joint Venture mit Töchtern wie Stepstone und Immonet entwickelte sich rasant. Ende 2015 kaufte Springer GA heraus und bezahlte dies mit einem Anteil von 8,3 Prozent am M-Dax-Konzern. GA hat seinen Kapitaleinsatz von 300 Millionen Euro damit nahezu verdreifacht - ein Paradedeal. Seit Nikolay 2015 die Beteiligung am türkischen Essenslieferdienst Yemeksepeti an Delivery Hero abstieß, hält GA auch Aktien des Berliner Start-ups.

Der Lehrersohn, der an der WHU studierte und seine ersten Berufsjahre im Investmentbanking (Morgan Stanley) und in der Beratung (Bain) absolvierte, investiert seit einem Jahrzehnt in Tech-Unternehmen. Seine ersten Deals gelangen ihm beim Silicon-Valley-Investor TA Associates in London, bevor er 2008 einige Straßen weiterzog und zu GA wechselte. Als man dort entschied, das lange von Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser (68) geführte Büro in Düsseldorf zu schließen und ein neues in München zu eröffnen, fiel die Wahl auf Nikolay.

Der rollt inzwischen mit Flixbus (bisher: MeinFernbus Flixbus) den Markt in ganz Europa auf. Zu der Busreiseplattform schlossen sich Anfang 2015 zwei Start-ups aus Berlin und München unter Nikolays tatkräftiger Mithilfe zusammen, seither expandieren sie international, vor allem in Italien und Frankreich. Deshalb verschwindet auch die international unbrauchbare Marke "Mein Fernbus". Anfang Mai wird ein neuer einheitlicher Flixbus-Markenauftritt präsentiert. Die "Mein Fernbus"-Gründer wechselten zu Jahresbeginn in den Beirat. Künftig soll das Unternehmen, das sich gerade in "FlixMobility" umbenannte, mit seinen 900 Mitarbeitern auch andere Arten der Mobilität wie etwa Zugreisen vermitteln.

Der Börsengang scheint nur mehr eine Frage der Zeit. "Ein IPO sieht das Unternehmen sicherlich als eine Option", sagt Nikolay in der ihm eigenen, scheuen Art, mit der er es allerdings schon weit gebracht hat.

© manager magazin 5/2016
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